{"id":2477,"date":"2021-07-08T13:57:42","date_gmt":"2021-07-08T11:57:42","guid":{"rendered":"https:\/\/julis.berlin\/?post_type=resolution&amp;p=2477"},"modified":"2021-07-08T13:57:42","modified_gmt":"2021-07-08T11:57:42","slug":"berlin-fuer-corona-zeiten-fit-machen","status":"publish","type":"resolution","link":"https:\/\/regio.julis.de\/berlin-alt\/beschlusssammlung\/berlin-fuer-corona-zeiten-fit-machen\/","title":{"rendered":"Berlin f\u00fcr Corona-Zeiten fit machen"},"content":{"rendered":"<p>Die Covid-19-Pandemie verursacht f\u00fcr jeden Einzelnen erhebliche Einschr\u00e4nkun-<br \/>\ngen im Alltag und stellt die Politik vor eine unvergleichbare Herausforderung. Es<br \/>\ngilt, die k\u00f6rperliche Unversehrtheit Aller, die wirtschaftliche Existenz von Arbeit-<br \/>\nnehmern und das Lebenswerk von Unternehmern sowie Selbstst\u00e4ndigen zu si-<br \/>\nchern. Es war daher richtig, unser gesellschaftliches Zusammenleben bestimmt<br \/>\nwie rigide herunterzufahren, um einer schnellen Ausbreitung des Coronavirus<br \/>\nentgegenzuwirken. Unter Ber\u00fccksichtigung der Leistungsf\u00e4higkeit des deutschen<br \/>\nGesundheitssystems m\u00fcssen wir stets eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Abw\u00e4gung von Le-<br \/>\nbensschutz und weiteren Grundrechten sicherstellen. Gerade deshalb stellen wir<br \/>\nauch fest, dass kein fundamentaler Widerspruch, sondern ein komplement\u00e4rer<br \/>\nZusammenhang zwischen Lebensschutz und pers\u00f6nlicher sowie wirtschaftler<br \/>\nFreiheit, zwischen Pandemiebek\u00e4mpfung und wirtschaftlicher Stabilit\u00e4t besteht.<br \/>\nEin \u00fcber saisonale Effekte hinausgehender Ausstieg aus den Einschr\u00e4nkungen<br \/>\nkann nur mit einer hinreichend hohen Impfquote gelingen. Wir begr\u00fc\u00dfen, dass<br \/>\nmittlerweile jeder Zweite in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten hat.<br \/>\nGleichzeitig zeigen wir uns \u00fcber den nach wie vor nicht gel\u00f6sten Impfstoffmangel<br \/>\nbesorgt. Insbesondere mit Blick auf die hochansteckende Varianten muss es das<br \/>\nZiel sein, schnellstm\u00f6glich eine nahezu vollst\u00e4ndige Durchimpfung der Bev\u00f6lke-<br \/>\nrung zu erreichen.<\/p>\n<h2>\nGesundheitsschutz<\/h2>\n<p>Im Vergleich zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern konnte in Deutschland ein voll-<br \/>\nst\u00e4ndiger Kollaps des Gesundheitssystems verhindert werden. Gleichzeitig waren<br \/>\nviele Krankenh\u00e4user, insbesondere die Intensivstationen, mehr als einmal am<br \/>\nRande, in Teilen sogar kurzweilig \u00fcber, ihrer Leistungsf\u00e4higkeit. Die Corona-Krise<br \/>\nhat systematische Schwachstellen in der politischen Steuerung als auch im Ge-<br \/>\nsundheitssystem offenbart, die es im Anschluss an die Krise anzupacken gilt.<br \/>\nNach wie vor gilt: Jeder ist aufgerufen, unn\u00f6tige Infektionswege zu meiden, um<br \/>\ndie Basisreproduktionsrate des Virus nachhaltig zu minimieren. Darum fordern<br \/>\nwir:<\/p>\n<p>Die Bundesregierung und das Land Berlin sollen sich f\u00fcr eine verst\u00e4rkte<br \/>\nDurchf\u00fchrung von heterologen Impfungen einsetzen. Ein solches Impfsche-<br \/>\nma ist sowohl mit Blick auf die Ausbreitung neuer Mutanten, vor der ein he-<br \/>\nterologes Impfschema vermutlich am besten sch\u00fctzt, als auch mit Blick auf<br \/>\ndie Empfehlung der STIKO aufgrund gesundheitlicher Komplikationen, ins-<br \/>\nbesondere junger Menschen, zu bevorzugen.<\/p>\n<p>Kinder haben in der Krise h\u00e4ufig besonders gelitten. Gleichzeitig stehen ih-<br \/>\nnen nur wenige Impfstoffe zur Verf\u00fcgung. Um Schulbildung in Pr\u00e4senz<br \/>\nlangfristig m\u00f6glich zu machen, soll sich das Land Berlin daf\u00fcr einsetzen,<br \/>\ndass Sch\u00fclern mit Vorerkrankungen aktiv ein Impfangebot gemacht wird.<\/p>\n<p>Mit Blick auf weiter schreitende Mutationen und der M\u00f6glichkeit, dass auf-<br \/>\ngrund dieser auch nach Zweitimpfungen noch Booster-Impfungen n\u00f6tig wer-<br \/>\nden k\u00f6nnten, wollen wir die Strukturen der Impfzentren weitgehend bis zur<br \/>\nErreichung der Herdenimmunit\u00e4t einsatzf\u00e4hig behalten.<\/p>\n<p>Nicht jeder Berliner hat einen Hausarzt, der Impfungen anbietet, oder ist<br \/>\nberechtigt sich im Impfzentrum impfen zu lassen. Die Jungen Liberalen Ber-<br \/>\nlin sprechen sich f\u00fcr ein landesweites digitales Impfportal aus, dass die An-<br \/>\nmeldung und Verteilung des Impfstoffes effektiv koordiniert.<\/p>\n<p>Die Coronakrise zeigt, dass das Land Berlin gemeinsam mit der Bundesre-<br \/>\ngierung dem Fachkr\u00e4ftemangel in Zukunft ernsthaft entgegentreten muss<br \/>\nund Quereinsteiger sowie Berufsanf\u00e4nger erfolgreicher f\u00fcr die Pflege und<br \/>\nweitere systemrelevante Berufe gewinnen muss. Daf\u00fcr sollen nachhaltige<br \/>\nKonzepte erarbeitet werden. Insbesondere sehen wir eine Dringlichkeit bei<br \/>\nder Anpassung der Bezahlungen im Pflege- und Gesundheitssektor. Daher<br \/>\nsprechen wir uns schon mit der Ausbildung f\u00fcr eine Anpassung und leis-<br \/>\ntungsgerechten Bezahlung aus.<\/p>\n<p>zur St\u00e4rkung der Kapazit\u00e4ten vor Ort, vermehrt auf das bereits bestehende<br \/>\nPotential von Medizinstudenten und PJlern zur\u00fcckgreifen. Letztere sollen<br \/>\ndeshalb erweiterte Befugnisse erhalten, Medizinstudenten w\u00e4hrenddessen<br \/>\ndurch landesweite Einstellungskampagnen gewonnen werden. Gerade in<br \/>\nKrisenzeiten wird die Notwendigkeit medizinischer Qualifikation nicht obso-<br \/>\nlet, weshalb auf diese Weise hinzugewonnenes Personal vor allem verh\u00e4lt-<br \/>\nnism\u00e4\u00dfig einfache, unterst\u00fctzende T\u00e4tigkeiten \u00fcbernehmen soll. Zwangs-<br \/>\nverpflichtungen von Medizinern und medizinischem Fachpersonal sind da-<br \/>\ngegen abzulehnen, weil sie einen hoch intensiven Grundrechtseingriff dar-<br \/>\nstellen, der weder die aktuelle Situation noch die ausgepr\u00e4gte freiwillige Be-<br \/>\nreitschaft zur Mitwirkung Vieler honoriert.<\/p>\n<p>Chemische, biologische und andere fachnahe Studieng\u00e4nge und Ausbil-<br \/>\ndungen wie MTA sowie die in diesem Rahmen noch oder schon ausgebil-<br \/>\ndeten Studenten, Doktoranden und Postdocs bieten ebenfalls gro\u00dfes Po-<br \/>\ntential, das durch eine landesweite Reserveliste bereitgehalten werden soll-<br \/>\nte, um die mit COVID-19 befassten Labore bei Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen zu<br \/>\nunterst\u00fctzen. Auch hier lehnen wir Zwangsverpflichtungen selbstverst\u00e4nd-<br \/>\nlich vehement ab.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der akuten Pandemiesituation bef\u00fcrworten wir eine Maskenpflicht<br \/>\nim \u00f6ffentlichen Leben. Im Freien unter Einhaltung der Abstandsregelung<br \/>\nsoll dies nicht gelten und die Mandatierung insbesondere f\u00fcr Geimpfte und<br \/>\nGenesene im Falle niedrigen Infektionsgeschehens entfallen. Als Ausnah-<br \/>\nme sehen wir den \u00d6PNV, indem einerseits kein Hygienekonzept m\u00f6glich ist<br \/>\nund der andererseits unverzichtbar f\u00fcr gro\u00dfe Teile des gesellschaftlichen<br \/>\nLebens ist.<\/p>\n<p>Wir sprechen uns gegen eine einj\u00e4hrige Impfpflicht f\u00fcr Influenza aus.<\/p>\n<p>Damit die Kapazit\u00e4ten der Krankenh\u00e4user und Kliniken in Berlin nicht \u00fcber-<br \/>\nlastet werden, ist zu pr\u00fcfen inwiefern behelfsm\u00e4\u00dfige und provisorische<br \/>\nKrankenh\u00e4user etwa in Stadthallen oder Kongresszentren oder Erweiterun-<br \/>\ngen bestehender Krankenh\u00e4user schnell errichtet werden k\u00f6nnen, um be-<br \/>\nstehende Krankenh\u00e4user zu entlasten. Deshalb begr\u00fc\u00dfen wir die kurzfristi-<br \/>\nge Nutzung der Messehallen als provisorisches Krankenhaus f\u00fcr Coro-<br \/>\nna-Patienten.<\/p>\n<h2>B\u00fcrgerrechte<\/h2>\n<p>Zweck eines liberalen Rechtsstaates ist zuallererst der Schutz und die Durchset-<br \/>\nzung der Grundrechte seiner B\u00fcrger. Die zunehmende Machtkonzentration bei<br \/>\nder Exekutive betrachten wir daher als au\u00dferordentlich bedenklich. S\u00e4mtliche co-<br \/>\nronainduzierten Grundrechtseingriffe haben daher stetig auf ihre Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig-<br \/>\nkeit gepr\u00fcft zu werden. Wir fordern weiterhin:<\/p>\n<p>Solange die Nutzung ausschlie\u00dflich auf freiwilliger Basis erfolgt, sind digita-<br \/>\nle Angebote wie beispielsweise Apps auf Basis der Bluetooth-Technologie<br \/>\neine sinnvolle Erg\u00e4nzung bei der Bew\u00e4ltigung der aktuellen Situation sein.<br \/>\nAufgrund der hohen Sensibilit\u00e4t der erhobenen Daten sind hohe Sicher-<br \/>\nheitsstandards und weitgehende Anonymisierung, eine m\u00f6glichst dezentra-<br \/>\nle Speicherung der Daten und die Ver\u00f6ffentlichung des Quellcodes uner-<br \/>\nl\u00e4sslich. Die Sicherheitsl\u00fccken der Luca-App offenbaren die Konsequenz<br \/>\nder Nichteinhaltung solcher Standards.<\/p>\n<p>Um einem langfristigen Ausarten grundrechtsintensiven Vorgehens durch<br \/>\nden Senat oder die Bundesregierung vorzubeugen, m\u00fcssen stets klare Kri-<br \/>\nterien erarbeitet und diskutiert werden, die die Aufhebung der aktuellen<br \/>\nEinschr\u00e4nkungen zuk\u00fcnftig obligatorisch werden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wir begr\u00fc\u00dfen die fl\u00e4chendeckende Test-Infrastruktur in Berlin. Gleichzeitig<br \/>\nm\u00fcssen betr\u00fcgerische und unsachgem\u00e4\u00dfe Durchf\u00fchrungen schnellstm\u00f6g-<br \/>\nlich und fl\u00e4chendeckend \u00fcberpr\u00fcft und einged\u00e4mmt werden. Dazu m\u00fcssen<br \/>\ninsbesondere die Anreizsysteme der Abrechnung in den Blick genommen<br \/>\nwerden und auf eine gemeinsame Interessenverfolgung hin ausgerichtet<br \/>\nwerden. Mobile Testteams sollen verst\u00e4rkt in Bezirken mit besonders hoher<br \/>\nInzidenz eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Nach dem Ende der Pandemie fordern wir die Abgeordnetenhausfraktion<br \/>\nder FDP dazu auf, sich f\u00fcr die Einrichtung einer Enquete-Kommission im<br \/>\nBerliner Abgeordnetenhaus einzusetzen. Diese Kommission soll kl\u00e4ren, wie<br \/>\nm\u00f6gliche Pandemien zuk\u00fcnftig unter Wahrung gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Freiheits-<br \/>\nrechte bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnen und welche Rechtsgrundlagen daf\u00fcr dau-<br \/>\nerhaft und ggf. zeitweise notwendig sind. Ferner soll sie das Vorgehen an-<br \/>\ngesichts der COVID-19-Pandemie evaluieren. Juristische Alleing\u00e4nge zum<br \/>\njetzigen Zeitpunkt lehnen wir Junge Liberale Berlin entschieden ab.<\/p>\n<p>Das Versammlungsrecht ist eines der wichtigsten demokratischen Rechte<br \/>\nzur Kontrolle der Staatsgewalt durch seine B\u00fcrger. Nicht trotz, sondern ge-<br \/>\nrade in Krisenzeiten gilt dies mehr denn je. Wir sehen die Notwendigkeit ei-<br \/>\nner Einschr\u00e4nkung der Versammlungsfreiheit aus Sicht des Infektionsschut-<br \/>\nzes. Dennoch d\u00fcrfen Versammlungen nicht unter Genehmigungsvorbehalt<br \/>\nin Abh\u00e4ngigkeit ihrer Teilnehmerzahl gestellt werden. Stattdessen m\u00fcssen<br \/>\nalle Versammlungen mit der Auflage zugelassen werden, dass Abstandsre-<br \/>\ngeln eingehalten werden oder anderweitig das Infektionsrisiko niedrig gehal-<br \/>\nten wird (z.B. Versammlungen durch Autokorsos).<\/p>\n<h2>Bildung<\/h2>\n<p>Berlin ist ein herausragender Bildungsstandort Deutschlands und deshalb auch<br \/>\nmit einer besonderen Verantwortung betraut, insofern der Betrieb von Universit\u00e4-<br \/>\nten und (Berufs-) Schulen bestm\u00f6glich aufrechterhalten werden muss. Dennoch<br \/>\nhat uns die Pandemie klarer denn je vor Augen gef\u00fchrt, dass die Chancenge-<br \/>\nrechtigkeit im Berliner Bildungssystem nicht hinreichend vorhanden. Auch jetzt<br \/>\nnoch hat nicht jeder Berliner Sch\u00fcler ein geeignetes Endger\u00e4t oder hat kaum di-<br \/>\ngitalen Unterricht. Etwaige rechtliche Hindernisse bei der Nutzung digitaler Lehr-<br \/>\nangebote sind deshalb schnellstm\u00f6glich aufzuheben. Wir fordern weiterhin:<\/p>\n<p>Der Idee der Einf\u00fchrung eines Durchschnittsabiturs ist abzulehnen. Statt-<br \/>\ndessen sollten die Senatsverwaltungen f\u00fcr Gesundheit und Schule ggf.<br \/>\nStrategien und L\u00f6sungen erarbeiten, wie Abschlusspr\u00fcfungen trotz der<br \/>\nAusbreitung des Coronavirus m\u00f6glichst risikofrei stattfinden k\u00f6nnen. Falls<br \/>\nnotwendig sollen die Klausuren zeitlich verschoben und die Fristen f\u00fcr den<br \/>\nBeginn von Studium oder Ausbildung angepasst werden.<\/p>\n<p>Uns ist wichtig, dass es Rechtssicherheit f\u00fcr jegliche Varianten des Abiturs<br \/>\nsowie alle Abschl\u00fcsse in der beruflichen Bildung und im Hochschulbereich,<br \/>\ndie im Jahr 2021 absolviert werden, gibt. Junge Menschen d\u00fcrfen keine<br \/>\nNachteile aufgrund der Corona-Krise erfahren.<\/p>\n<p>Wir begr\u00fc\u00dfen, dass Sch\u00fcler und Eltern die Wahlm\u00f6glichkeit haben das ver-<br \/>\ngangene Schuljahr freiwillig zu wiederholen. Gleichzeitig darf dies nicht als<br \/>\nGrund genommen werden, um in Klassenverb\u00e4nden vers\u00e4umte Inhalte<br \/>\nnicht nachzuarbeiten. Das gleiche gilt auch f\u00fcr Anja Karlizceks \u201cNachhil-<br \/>\nfe-Milliarde\u201d. Die F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung der Sch\u00fcler, die durch die<br \/>\nCorona-Zeit Nachteile im Bildungserhalt erfahren haben, ist richtig und<br \/>\n\u00fcberf\u00e4llig. Gleichzeitig darf das Bestehen solcher Angebote nicht genutzt<br \/>\nwerden, um die Verantwortung f\u00fcr das Nachholen von Schulinhalten allein<br \/>\nauf die sowieso schon belasteten Sch\u00fcler und Eltern abzuw\u00e4lzen.<\/p>\n<p>Bildung in Schulen und Hochschulen ist ohne Pr\u00e4senz nur schwer vorstell-<br \/>\nbar. Das vergangene Jahr hat die Bedeutung von menschlichem Kontakt<br \/>\nund Austausch f\u00fcr den Erhalt von Bildung deutlich gezeigt. Deswegen<br \/>\nmuss sich die Politik jetzt darauf konzentrieren m\u00f6glichst vielen Sch\u00fclern<br \/>\nund Studierenden eine Pr\u00e4senzteilnahme bei gleichzeitigem Gesundheits-<br \/>\nschutz zu erm\u00f6glichen. Einen konzeptlosen, \u00fcbereilten Einstieg in die Pr\u00e4-<br \/>\nsenzlehre noch im Sommersemester, wie Michael M\u00fcller es vorgeschlagen<br \/>\nhat, halten wir f\u00fcr falsch. Wir sind \u00fcberzeugt, dass die Hochschulen ihre<br \/>\nKapazit\u00e4ten und den Umgang mit ihren Studierenden selber besser bewer-<br \/>\nten k\u00f6nnen als der Senat. Um Hochschulen im \u00dcbergang zur Pr\u00e4senzlehre<br \/>\nzu unterst\u00fctzen braucht es klare und auch mittelfristig g\u00fcltige Regeln an-<br \/>\nstatt von Wahlkampfaktionen des regierenden B\u00fcrgermeisters. F\u00fcr Pr\u00e4senz-<br \/>\nveranstaltungen sollen insbesondere die kommenden Studienanf\u00e4nger, Stu-<br \/>\ndienanf\u00e4nger der Corona-Jahre 20\/21 und Teilnehmer von Veranstaltun-<br \/>\ngen, die nur in Pr\u00e4senz m\u00f6glich sind wie bspw. Labore, priorisiert werden.<br \/>\nAu\u00dferdem wollen wir allen Studierenden den Zugang zu den Bibliotheken<br \/>\nerm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Schulen m\u00fcssen dringend bei der Ausgestaltung eines digitalen Lehrange-<br \/>\nbots finanziell wie personell unterst\u00fctzt werden. Daf\u00fcr fordern wir eine Fort-<br \/>\nbildungsoffensive f\u00fcr das Berliner Lehrpersonal an Schulen und Universit\u00e4-<br \/>\nten.<\/p>\n<p>Viele Studentinnen und Studenten geraten durch wegfallende Nebenjobs<br \/>\noder wegfallendes Einkommen der Eltern in eine finanzielle Schieflage. Wir<br \/>\nfordern daher, dass explizit alle Studenten auf Antrag vorl\u00e4ufig und unb\u00fcro-<br \/>\nkratisch den BAf\u00f6G-H\u00f6chstsatz erhalten sollen. Eine Bed\u00fcrftigkeitspr\u00fcfung<br \/>\nund eventuelle R\u00fcckzahlung sollen erst nachtr\u00e4glich stattfinden. Dass die<br \/>\nBundesbildungsministerin Millionen von Euro lieber ungenutzt l\u00e4sst, anstatt<br \/>\ndamit die Finanzierung von Studierenden zu \u00fcberbr\u00fccken, schmerzt uns<br \/>\nbesonders und ist ein Angriff auf die Chancengerechtigkeit in diesem Land.<\/p>\n<p>Wir fordern die Hochschulen dazu auf, Studenten, die zur Krisenbew\u00e4lti-<br \/>\ngung beitragen, indem sie freiwillig im Gesundheitswesen arbeiten oder<br \/>\nsich nachweislich anderweitig sozial engagieren, bis zu 6 ECTS f\u00fcr ihre<br \/>\nStudienleistung im freien Wahlbereich anzurechnen. Dar\u00fcber hinaus sollen<br \/>\nAuszubildende ohne die Frist von einen Arbeitsfall von 6 Wochen oder 30<br \/>\nArbeitstagen in die Kurzarbeit \u00fcbergehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Wirtschaft<\/h2>\n<p>Die aktuelle Lage ist f\u00fcr die Berliner Wirtschaft verheerend: Laut einer Umfrage<br \/>\nder IHK berichten beinahe s\u00e4mtliche Unternehmen von einer sp\u00fcrbar schlechte-<br \/>\nren gewerblichen Umgebung. Corona und das damit verbundene weitgehende<br \/>\nde facto Transaktionsverbot l\u00f6st aktuell eine schwerwiegende Rezession aus, die<br \/>\nimmensen Schaden an unserer Lebensweise anrichten wird. Die politische Hand-<br \/>\nlungsunf\u00e4higkeit des Berliner Senats ist daher besorgniserregend, weil sie sich<br \/>\nnicht in den verbalen Entgleisungen von Innensenator Geisel \u00fcber vermeintliche<br \/>\nAkte moderner Piraterie ersch\u00f6pft. So brachten es die Senatoren Pop und Kol-<br \/>\nlatz innerhalb k\u00fcrzester Zeit zustande, entgegen expliziter Versprechen, die lan-<br \/>\ndeseigenen Mittel der Investitionsbank Berlin innerhalb weniger Tage aufzubrau-<br \/>\nchen. Gleicherma\u00dfen aufgebraucht ist somit auch deren Handlungsspielraum f\u00fcr<br \/>\npolitische Akzente. Vor diesem Hintergrund fordern wir daher:<\/p>\n<p>eine z\u00fcgige r\u00fcckwirkende Pr\u00fcfung der Antragsteller, die bereits Mittel durch<br \/>\ndie IBB erhalten haben. Die Pr\u00fcfung soll unb\u00fcrokratisch, digital und ohne<br \/>\nPersonenkontakt m\u00f6glich sein. Nur so k\u00f6nnen Mitnahmeeffekte und der zu<br \/>\nerwartende Missbrauch auf ein Minimum reduziert werden. Der Senat hat<br \/>\ndazu zeitnah ein entsprechendes Konzept vorzulegen.<\/p>\n<p>Zudem m\u00fcssen s\u00e4mtliche Ma\u00dfnahmen auch auf ihre Wirksamkeit hinsicht-<br \/>\nlich mittlerer Unternehmen gepr\u00fcft werden \u2013 das R\u00fcckgrat der deutschen<br \/>\nWirtschaft darf nicht allein gelassen werden.<\/p>\n<p>Soweit es die deutsche Finanzverfassung zul\u00e4sst, sollte das Land Berlin<br \/>\nSteuersenkungen anstreben als Stimulus f\u00fcr die Wirtschaft nach der Coro-<br \/>\nna-Krise. Hierbei sollten auch die \u00f6rtlichen Verbrauchssteuern zeitweise<br \/>\naufgehoben oder gesenkt werden, da diese anders als direkte Steuern ih-<br \/>\nrem Wesen nach die Leistungsf\u00e4higkeit der betroffenen Steuersubjekte nur<br \/>\nmittelbar erfassen und ber\u00fccksichtigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Bundesrat soll sich das Land Berlin daf\u00fcr einsetzen, dass Corona-be-<br \/>\ndingte Steuersenkungen zur Stabilisierung unserer Wirtschaft unterst\u00fctzt<br \/>\nwerden.<\/p>\n<p>Auch wenn ein ausgeglichener Haushalt f\u00fcr dieses Jahr nicht mehr im Be-<br \/>\nreich des M\u00f6glichen liegt, sprechen wir uns daf\u00fcr aus, eine gewisse Haus-<br \/>\nhaltsdisziplin zu wahren. Insbesondere fordern wir, dass jene Schulden,<br \/>\ndie in der Krisenzeit angeh\u00e4uft werden, in den Folgejahren mit \u00dcbersch\u00fcs-<br \/>\nsen wieder z\u00fcgig abschmelzen.<\/p>\n<h2>Soziales<\/h2>\n<p>Neben der gesundheits-, wirtschafts-, b\u00fcrgerrechts- und bildungspolitischen Di-<br \/>\nmension des \u201eCOVID-19\u201c-Ausbruchs herrscht auch ein besonderer Druck auf das<br \/>\nsoziale Gef\u00fcge unseres Zusammenlebens. Viele Menschen leiden unter Verlust-<br \/>\n\u00e4ngsten, Isolierung oder sogar h\u00e4uslicher Gewalt. Um sie nicht allein zu lassen,<br \/>\nmuss staatliches Handeln hier unbedingt ansetzen. Deshalb fordern wir:<\/p>\n<p>die Bezirke auf, dem vermutlich steigenden Auftreten h\u00e4uslicher Gewalt<br \/>\ndurch die Schaffung von Unterbringungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr alleinstehende<br \/>\nBetroffene und Elternteile mit Kindern zu begegnen. Das tempor\u00e4re Anmie-<br \/>\nten aktuell leerstehender Hotels, Hostels und Ferienwohnungen kann hier-<br \/>\nbei gleich mehrfach vorteilhaft sein.<\/p>\n<p>Die Vermeidung physischer Kontakte bedeutet f\u00fcr einige Menschen eine<br \/>\nbesondere H\u00e4rte. Opfer h\u00e4uslicher Gewalt befinden sich in einer Notlage,<br \/>\nin denen Ausweichm\u00f6glichkeiten zus\u00e4tzlich eingeschr\u00e4nkt sind. W\u00e4hrend<br \/>\nder Ausgangsbeschr\u00e4nkungen kam es zu einem zus\u00e4tzlich erh\u00f6hten Bedarf<br \/>\nan Pl\u00e4tzen in Frauenh\u00e4usern, was regelm\u00e4\u00dfig zu einer platzbedingten Ab-<br \/>\nweisung schutzsuchender Frauen f\u00fchrte. Vor diesem Hintergrund kritisieren<br \/>\nwir den Berliner Senat und st\u00e4rken die FDP-Fraktion im Berliner Abgeord-<br \/>\nnetenhaus in ihrer Forderung nach zus\u00e4tzlichen Frauenh\u00e4usern f\u00fcr Berlin.<\/p>\n<p>Zudem m\u00fcssen die Berliner Tafeln und Obdachlosenunterk\u00fcnfte bei ihrem<br \/>\nBetrieb w\u00e4hrend weiterer m\u00f6glicher Lockdowns durch die Landesregierung<br \/>\nunterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Obdachlose sind gesundheitlich besonders gef\u00e4hrdet. In Zusammenarbeit<br \/>\nmit den Berliner Krankenh\u00e4usern muss die Landesregierung schnellstm\u00f6g-<br \/>\nlich ein Konzept vorlegen, dass das Vorgehen der Notambulanzen hinsicht-<br \/>\nlich von Obdachlosen, die \u00fcblicherweise \u00fcber keine Krankenversicherung<br \/>\nverf\u00fcgen, in Zeiten ohnehin ausgelasteter Einrichtungen abschlie\u00dfend kl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Es ist zu erwarten, dass der Berliner Krisendienst kurz- bis mittelfristig mit<br \/>\neiner erh\u00f6hten Auslastung konfrontiert sein wird. Der Senat muss mit den<br \/>\nVerantwortlichen im engen Austausch bleiben, um bei absehbaren Engp\u00e4s-<br \/>\nsen gegensteuern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Covid-19-Pandemie verursacht f\u00fcr jeden Einzelnen erhebliche Einschr\u00e4nkun- gen im Alltag und stellt die Politik vor eine unvergleichbare Herausforderung. 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