{"id":2034,"date":"2019-10-26T13:05:17","date_gmt":"2019-10-26T11:05:17","guid":{"rendered":"https:\/\/julis.berlin\/?post_type=resolution&amp;p=2034"},"modified":"2019-10-26T13:05:17","modified_gmt":"2019-10-26T11:05:17","slug":"die-neue-berliner-linie-in-der-inneren-sicherheit","status":"publish","type":"resolution","link":"https:\/\/regio.julis.de\/berlin-alt\/beschlusssammlung\/die-neue-berliner-linie-in-der-inneren-sicherheit\/","title":{"rendered":"Die neue Berliner Linie in der inneren Sicherheit"},"content":{"rendered":"<p>Die Jungen Liberalen Berlin setzen sich f\u00fcr eine freiheitliche Sicherheitspolitik ein, die sich an der realen Bedrohungslage einerseits und den tats\u00e4chlich erforderlichen Ma\u00dfnahmen andererseits orientiert. Im Zentrum steht f\u00fcr uns die Freiheit des Einzelnen, deren Verletzung durch Straftaten verhindert oder zumindest sanktioniert werden muss. Genauso bildet die Freiheit des Einzelnen aber auch die Grenze polizeilichen Handelns bei der Verbrechenspr\u00e4vention und den Befugnissen von Sicherheitsbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Das 21. Jahrhundert und die damit einhergehende Digitalisierung bieten neue Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden in Berlin. Intimste Lebensbereiche k\u00f6nnen mithilfe von \u00dcberwachung zug\u00e4nglich und Polizeigesetze beschlossen werden, die immer st\u00e4rker in die Grundrechte eingreifen, ein Beh\u00f6rdenversagen, das massivste rechtsextremistische Straftaten nicht verhindern konnte, und fehlende Antworten auf Kriminalit\u00e4t von Jugendlichen \u2013 vor diesen Herausforderungen steht die liberale Sicherheitspolitik in Berlin.<\/p>\n<p>Grundlage f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der Sicherheit ist immer eine funktionierende wie effiziente Polizeiarbeit und Justiz, die in der Lage ist, Recht durchzusetzen. Polizei, Justizvollzug, Staatsanwaltschaften und Gerichte in Berlin m\u00fcssen endlich besser ausgestattet sowie bezahlt werden und brauchen umfassend bessere Arbeitsbedingungen. Berlin braucht mehr Polizisten und muss den aktuellen Beamten endlich \u00dcberstunden ersetzen und Zeit f\u00fcr ihr Training geben. Auch die Beamtenbesoldung muss endlich mindestens den Bundesdurchschnitt erreichen.<\/p>\n<h2><strong>NEUE SICHERHEITSGESETZE F\u00dcR BERLIN<\/strong><\/h2>\n<p>Berlin braucht ein neues Polizeigesetz. In den Anstrengungen, ein bundesweites Musterpolizeigesetz zu schaffen, k\u00f6nnte Berlin die Gelegenheit nutzen, nicht nur Probleme des aktuellen Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) zu beseitigen, sondern auch daf\u00fcr zu sorgen, dass ein liberaler Entwurf f\u00fcr die Eingriffsrechte der Polizei geschaffen wird. Dabei m\u00fcssen folgende Punkte beachtet werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Wir lehnen eine Einf\u00fchrung von unbestimmten Rechtsbegriffen, wie z.B. der \u201edrohenden Gefahr\u201c, die lediglich eine uferlose Erweiterung von Grundrechtseingriffen zum Ziel haben, in das Berliner Polizeigesetz ab. Durch diese werden massive \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen m\u00f6glich, die ohne konkrete Gefahr durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Kontrollbereich bzw. Gefahrengebiete nach dem ASOG, in denen Identit\u00e4tsfeststellungen und Durchsuchungen ohne Verdachtsmomente an sog. kriminalit\u00e4tsbelasteten Orten durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, lehnen wir ab. Solche anlasslos durchgef\u00fchrten Kontrollen laden insbesondere zu Diskriminierung und Racial Profiling ein und sind daher nicht mit liberalen Werten vereinbar. Solange diese Ma\u00dfnahmen jedoch durchgef\u00fchrt werden, m\u00fcssen diese auch transparent gemacht werden. Eine nicht-\u00f6ffentliche Bekanntgabe solcher Ma\u00dfnahmen muss in Berlin folglich unterlassen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eingriffe in Grundrechte m\u00fcssen stets an strenge Voraussetzungen gekn\u00fcpft werden. Aufenthaltsgebote, bei denen als gef\u00e4hrlich eingestufte Personen auf bestimmte Gebiete beschr\u00e4nkt werden k\u00f6nnen, sollen k\u00fcnftig mit einer maximalen Dauer von zwei Monaten und allein unter richterlichem Vorbehalt verh\u00e4ngt werden k\u00f6nnen. Den pr\u00e4ventiven Einsatz von sogenannten elektronischen Fu\u00dffesseln lehnen wir ab, da diese weder technisch zur Zielerreichung geeignet noch aufgrund des starken Eingriffs<br \/>\nin die B\u00fcrgerrechte verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sind. Auch der Pr\u00e4ventivgewahrsam nach dem Vorbild des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes ist unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Sofern ein Gewahrsam angeordnet worden ist, kann er nicht durch richterlichen Beschluss verl\u00e4ngert werden. Stattdessen muss bei konkreten Gefahren gen\u00fcgend Personal zur Observierung bereitgestellt werden.<\/p>\n<p>Wenn gro\u00dfe \u00f6ffentliche Veranstaltungen stattfinden, entstehen insbesondere im Fu\u00dfball hohe Belastungen f\u00fcr Polizei und Sicherheitskr\u00e4fte. Diese Kosten sollten, soweit sie \u00fcber ein \u00fcbliches Ma\u00df hinausgehen, vom Verursacher getragen werden. \u00dcber die Au\u00dferordentlichkeit der Kosten sollte ein Gericht entscheiden.<\/p>\n<ul>\n<li>Die zunehmende Militarisierung der Polizei ist eine falsche Entwicklung. Wir lehnen den Einsatz von unkontrolliert t\u00f6dlich wirkenden Waffen (bspw. Sprenggranaten) bei der Polizei entschieden ab. Die Anschaffung zus\u00e4tzlicher Sonderwagen sehen wir kritisch, da konkrete Einsatzm\u00f6glichkeiten im Vergleich zu den Kosten unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig erscheinen. Dagegen k\u00f6nnen Maschinenpistolen in Ausnahmesituationen ein ad\u00e4quates Mittel darstellen.<\/li>\n<li>Wir unterst\u00fctzen eine neue Kennzeichnungspflicht von Polizisten bei Demonstrationen. Dabei soll jedem Polizeibeamten vor dem Einsatz ein tempor\u00e4res Pseudonym zugeordnet werden. Diese Zuordnung muss zeitlich begrenzt gespeichert werden. Dieses Pseudonym darf dar\u00fcber hinaus nicht direkt auf eine dritte nat\u00fcrliche Person zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir unterst\u00fctzen den Einsatz von Bodycams bei der Polizei. Ihre Nutzung kann nicht nur dazu f\u00fchren, dass Straftaten der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger dokumentiert werden, sie dienen auch der Selbstkontrolle der Polizei. Dabei m\u00fcssen Beweiserhebung, -speicherung und -verwertung organisatorisch und strukturell voneinander getrennt sein. Die dabei erhoben Daten m\u00fcssen strikt au\u00dferhalb des Zugriffsbereichs der dabei betroffenen Einsatzkr\u00e4fte gespeichert werden. Insbesondere die Datensicherung muss zum Zweck des Datenschutzes in Deutschland stattfinden.<\/p>\n<ul>\n<li>Wir fordern die Einf\u00fchrung eines Polizeibeauftragten des Abgeordnetenhauses von Berlin. Nach dem Vorbild des Wehrbeauftragten des Bundestages soll dieser als unabh\u00e4ngige Institution des Abgeordnetenhauses fungieren. Der Polizeibeauftragte soll dabei sowohl f\u00fcr Beamtinnen und Beamte als auch f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ansprechbar sein. Er soll strukturelle Defizite innerhalb der Polizei benennen, aber auch f\u00fcr einzelnes Fehlverhalten ansprechbar sein.<\/li>\n<li>Um das Sicherheitsgef\u00fchl der Bev\u00f6lkerung zu steigern und niedrigschwellige Gespr\u00e4chskan\u00e4le zwischen Polizei und Bev\u00f6lkerung zu schaffen, fordern wir insbesondere in einsatzintensiven Kiezen die Wiedereinf\u00fchrung von Kontaktbereichsbeamten.<\/li>\n<li>Als Junge Liberale sind wir besorgt \u00fcber die zunehmende Gewalt in der Rigaer Stra\u00dfe 94. Wir verurteilen die \u00dcbergriffe und Gewalttaten gegen Anwohner und Polizei und fordern den Berliner Senat auf, seine Toleranzpolitik gegen\u00fcber linksextremer Gewalt aufzugeben. Es m\u00fcssen alle rechtlichen M\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft werden, um das Geb\u00e4ude zu r\u00e4umen und den Rechtstaat konsequent durchzusetzen.<\/li>\n<li>Die sogenannte Berliner Linie bei Hausbesetzungen, bei welcher besetzte H\u00e4user binnen 24 Stunden ger\u00e4umt werden, soll weiterhin angewandt und nicht aufgeweicht werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zudem fordern wir ein neues Versammlungsfreiheitsgesetz f\u00fcr Berlin. Seit der F\u00f6deralismusreform 2006 haben die L\u00e4nder die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Versammlungsgesetze, doch Berlin greift weiterhin auf das Bundesgesetz f\u00fcr Versammlungen zur\u00fcck. Dabei ist Berlin als Bundeshauptstadt in einer besonderen Situation: Durchschnittlich findet zw\u00f6lfmal am Tag eine Demonstration statt.<\/p>\n<p>Das neue Versammlungsrecht sollte sich dabei vor allem auf die Gew\u00e4hrleistung der Versammlungsfreiheit konzentrieren. So muss dringend verhindert werden, dass bei der Anmeldung einer Versammlung der Eindruck durch die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden erweckt wird, dass Versammlungen genehmigungspflichtig sind, um bei der Anmeldung \u00c4nderungen zu erzielen. Die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden sind daher zu verpflichten, auf die Genehmigungsfreiheit von Versammlungen ausdr\u00fccklich hinzuweisen. Versammlungsverbote m\u00fcssen auf absolute Ausnahmen beschr\u00e4nkt sein. Wir fordern die polizeilichen Einsatzkr\u00e4fte auf, unter Umst\u00e4nden von Auflagen bei Demonstrationen Gebrauch zu machen, um die freiheitlich demokratische Grundordnung zu sch\u00fctzen. Allgemeinverf\u00fcgungen, die pauschale Verbote f\u00fcr bestimmte Zeiten oder Orte aussprechen, werden dem nicht gerecht und k\u00f6nnen nur in absoluten Ausnahmef\u00e4llen erlassen werden. Eine automatisierte Gesichtserkennung darf nicht zul\u00e4ssig sein.<\/p>\n<h2><strong>DIGITALISIERUNG DER POLIZEIARBEIT<\/strong><\/h2>\n<p>Durch die voranschreitende Digitalisierung werden auch immer mehr h\u00f6chstpers\u00f6nliche Informationen digital gespeichert. F\u00fcr den Einzelnen sind diese Erleichterung und Fortsetzung des eigenen Lebens im digitalen Raum nicht mehr wegzudenken. Doch auch Sicherheitsbeh\u00f6rden sehen hier ein neues Bet\u00e4tigungsfeld, dass f\u00fcr einen m\u00f6glichen Zugriff erreichbar wird. Die Herausforderung besteht im Erreichen eines Ausgleichs zwischen den Pers\u00f6nlichkeitsrechten der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und der Aufgabe der Polizei, Straftaten aufzukl\u00e4ren sowie in der in der digitalen Welt ermitteln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<ul>\n<li>Statt der Vorratsdatenspeicherung sprechen wir uns f\u00fcr ein \u201eQuick Freeze\u201c-Verfahren aus, dass erst nach richterlichem Beschluss und unter strengen Speicherungsbedingungen und L\u00f6schfristen beginnen darf. Dadurch werden massive Eingriffe in die Metadaten aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger verhindert und der Generalverdacht aufgehoben. Stattdessen werden nur Informationen \u00fcber tats\u00e4chliche Verd\u00e4chtige gespeichert.<\/li>\n<li>In der verdeckten Online-Durchsuchung mittels sog. Staatstrojaner sehen wir einen besonders kritischen Eingriff in die Grundrechte. Denn anders als bei einer herk\u00f6mmlichen Durchsuchung wird hier verdeckt auf die Daten und Privatsph\u00e4re zugegriffen. Wir sprechen uns daher gegen die Online-Durchsuchung und den Einsatz von Staatstrojanern aus. Auch die Quellentelekommunikations\u00fcberwachung ist in unseren Augen keine verfassungsm\u00e4\u00dfige Form der \u00dcberwachung von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern.<\/li>\n<li>Kamera\u00fcberwachung soll ausschlie\u00dflich an kriminalit\u00e4tsbelasteten Schwerpunkten eingesetzt werden, um einen Vorteil bei der Aufkl\u00e4rung von Straftaten zu erlangen. Die Installation der Kameras soll nur f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum genehmigt und ein Verl\u00e4ngerungsantrag erst nach einer Evaluation der Wirksamkeit bzw. der Notwendigkeit dieser Ma\u00dfnahme gestellt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Eine fl\u00e4chendeckende \u00dcberwachung lehnen wir ab. Ein automatischer Abgleich von personenbezogenen Daten (wie z.B. bei der<br \/>\nautomatischen Gesichtserkennung) ist ein erheblicher Eingriff in die Anonymit\u00e4t des \u00f6ffentlichen Raums und stellt alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unter einen Generalverdacht. Solche Ma\u00dfnahmen lehnen wir ab. Alle B\u00fcrger haben das Recht auf Anonymit\u00e4t im \u00f6ffentlichen Raum. Ebenso soll die \u00dcberwachung von Kennzeichen im Stra\u00dfenverkehr nur anlassbezogen erfolgen.<\/li>\n<li>Auch das Erstellen von Bewegungsprofilen durch die Polizei einzelner B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ist f\u00fcr uns ein unzul\u00e4ssiger Eingriff in die individuelle Freiheit.<\/li>\n<li>Es bedarf mehr Transparenz bei der \u00dcberwachung von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern. Grunds\u00e4tzlich muss in Zukunft Datenerhebung, Datenspeicherung und Datennutzung organisatorisch und strukturell voneinander getrennt<\/li>\n<li>Predictive Policing kann einen sinnvollen Beitrag zur Polizeiarbeit leisten. Die Digitalisierung soll der Polizei nicht verschlossen werden, aber die Sicherheitsbeh\u00f6rden m\u00fcssen an einen engen gesetzlichen Rahmen gebunden werden. Das Predictive Policing soll nur auf Basis von aggregierten und anonymisierten Daten angewendet werden, um pr\u00e4ventiv Straftaten zu verhindern, nicht aber bezogen auf pers\u00f6nliche Daten von T\u00e4tern oder Opfern. Dabei k\u00f6nnen etwa Risikogebiete oder -zeiten identifiziert werden, nicht aber Ermittlungen gegen Einzelpersonen eingeleitet werden.<\/li>\n<li>Der Einsatz von Drohnen bei der Polizei kann nur bei konkretem Anlass eine sinnvolle Erg\u00e4nzung der Einsatzmittel sein. Immer dann, wenn \u00dcbersichtsaufnahmen angefertigt werden m\u00fcssen (bspw. bei Verkehrsunf\u00e4llen), k\u00f6nnen Drohnen eine Hilfe sein. Bei Demonstrationen aber muss durch ausreichenden Abstand zwischen Drohne und Demonstrationszug daf\u00fcr gesorgt werden, dass Menschen nicht von ihrem Demonstrationsrecht abgehalten werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bek\u00e4mpfung von Cyberkriminalit\u00e4t muss fester Bestandteil einer modernen Polizei sein. Sicherheitsbeh\u00f6rden m\u00fcssen auch f\u00fcr z. B. Informatiker attraktiv werden, die keine regul\u00e4re Polizeiausbildung durchlaufen haben. Regelm\u00e4\u00dfige digitale Fortbildungen m\u00fcssen im Polizeibetrieb Pflicht werden. Ebenso muss eine Grundlage f\u00fcr eine gemeinsame digitale Sicherheitsarchitektur von Bund und L\u00e4ndern geschaffen werden, die einen reibungslosen Informationsaustausch und eine bessere Kommunikation zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h2><strong>SICHERHEITSARCHITEKTUR<\/strong><\/h2>\n<p>Die Vorkommnisse rund um den NSU oder den Anschlag am Breitscheidplatz zeigen, dass die Sicherheitsarchitektur in Deutschland reformbed\u00fcrftig ist. Die notwendige \u00dcbermittlung und Kommunikation von Informationen ist nicht ausreichend sichergestellt. Plattformen zum Austausch sind zwar institutionalisiert und elementar in der Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung, unterliegen jedoch keiner ausreichenden parlamentarischen Kontrolle. Aus diesen Fehlern m\u00fcssen Konsequenzen gezogen werden und die Sicherheitsarchitektur derart reformiert werden, dass die Zust\u00e4ndigkeiten auf die passende Ebene verschoben werden, Prozesse transparent werden und die Zusammenarbeit optimiert wird.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Landeskriminal\u00e4mter von Berlin und Brandenburg m\u00fcssen st\u00e4rker kooperieren. Es ist nicht notwendig, dass jedes Bundesland alle Spezialf\u00e4higkeit vorh\u00e4lt. Vielmehr erm\u00f6glicht eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Bundesl\u00e4ndern eine effektivere Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung.<\/li>\n<li>Mittelfristig m\u00fcssen die Landes\u00e4mter f\u00fcr Verfassungsschutz von Berlin und Brandenburg fusionieren. Gerade in Berlin und Brandenburg stellen unterschiedliche Zust\u00e4ndigkeiten zwischen Berlin und dem \u201eSpeckg\u00fcrtel\u201c k\u00fcnstliche Hindernisse dar. Langfristig m\u00fcssen alle Landes\u00e4mter f\u00fcr Verfassungsschutz aufgel\u00f6st werden und die Aufgaben und Ressourcen an das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00fcbertragen werden.<\/li>\n<li>Es muss eine verbindliche Rechtsgrundlage f\u00fcr die bundes- und l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Kooperationsplattformen wie das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum etc. geschaffen werden, damit klare Zust\u00e4ndigkeiten entstehen, Prozesse endlich klar geregelt sind und die Austauschplattformen einer parlamentarischen Kontrolle zug\u00e4nglich sind.<\/li>\n<li>Eine europ\u00e4ische Institution zur Terrorbek\u00e4mpfung muss eingerichtet werden, bei der alle relevanten Informationen zusammengef\u00fchrt werden und f\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden der L\u00e4nder zug\u00e4nglich sind. Ebenso m\u00fcssen rechtssichere Einsatzgrundlagen f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende Eins\u00e4tze innerhalb der EU bei Gefahr im Verzug geschaffen werden.<\/li>\n<li>Obwohl V-Personen einen erheblichen Vorteil bei der Strafverfolgung bieten k\u00f6nnen, zeigte sich im Rahmen der Aufkl\u00e4rung des NSU und des Anschlags am Breitscheidplatz, dass V-Leute immer wieder unzuverl\u00e4ssige Quellen sind. Wir fordern daher eine bessere Kontrolle der Personen und lehnen insbesondere Tatprovokationen durch die V-Personen ab.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>JUGENDKRIMINALIT\u00c4T<\/strong><\/h2>\n<p>Vielfach wird der Eindruck erweckt, dass Jugendkriminalit\u00e4t vor allem aus schweren Straftaten besteht. Am h\u00e4ufigsten begehen Jugendliche jedoch Bagatelldelikte wie Sachbesch\u00e4digung oder das Erschleichen von Leistungen. Die meisten Jugendlichen sind keine Intensivt\u00e4ter, sondern begehen eine bis wenige Straftaten, die nur eine Episode im Leben der Heranwachsenden abbilden, die sich mit pers\u00f6nlicher und sozialer Entwicklung und Reifung selbst erledigt.<\/p>\n<p>Wir lehnen sowohl die Absenkung der Strafm\u00fcndigkeit von 14 Jahren als auch eine generelle Anwendung des \u201eErwachsenenstrafrechts\u201c bei Jugendlichen ab.<\/p>\n<p>Die Jungen Liberalen Berlin fordern:<\/p>\n<ul>\n<li>Pr\u00e4ventive Angebote m\u00fcssen verst\u00e4rkt werden, darunter etwa Anti-Gewalttrainings und Informationsveranstaltungen im Rahmen des Schulunterrichts und in Zusammenarbeit mit Sportvereinen, um Straftaten schon fr\u00fch zu verhindern.<\/li>\n<li>Ebenso ist eine bessere Verzahnung von Polizei und Jugendhilfe notwendig, etwa bei gemeinsamen Fallkonferenzen oder nach der Verurteilung.<\/li>\n<li>Bei Mehrfacht\u00e4tern ist es notwendig, Schulen, Eltern, Jugend\u00e4mter und Polizei besser miteinander zu vernetzen, um Informationen zusammenzutragen und gezielter zu reagieren. Auch muss die Schulpflicht konsequent durchgesetzt werden.<\/li>\n<li>Der Jugendstrafvollzug ist als grunds\u00e4tzlich offener Vollzug auszugestalten, der sich aus einem Gesamtkonzept aus Rehabilitierungs- und Sozialisierungsma\u00dfnahmen zusammensetzt. Sozialer Desintegration ist entgegenzuwirken. Dies umfasst eine Betreuung im Rahmen des sozialen Trainings sowie einer Schuldnerberatung und eine gemeinschaftliche Unterbringung in Wohngruppen nach dem Vorbild von &#8222;Therapeutic Communities&#8220;. Der Vollzug ist mit schulischen Bildungsprogrammen zu verbinden. Eine anschlie\u00dfende schulische oder berufliche Ausbildung sind zu forcieren. Nach Ende des verpflichtenden Vollzugsprogramms sind zudem freiwillige Betreuungsprogramme von bis zu zwei Jahren anzubieten.<\/li>\n<li>Wir sehen ferner gro\u00dfen Handlungsbedarf bei der Bek\u00e4mpfung von Clanstrukturen und begr\u00fc\u00dfen daher die Ma\u00dfnahmen der Bezirksintegration und insbesondere einer zentralen Koordinierungsstelle. Als geeignete Pr\u00e4ventivma\u00dfnahme gegen den Einstieg von Jugendlichen in Clans fordern wir die F\u00f6rderung von Jugendeinrichtungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Jungen Liberalen Berlin setzen sich f\u00fcr eine freiheitliche Sicherheitspolitik ein, die sich an der realen Bedrohungslage einerseits und den tats\u00e4chlich erforderlichen Ma\u00dfnahmen andererseits orientiert. Im Zentrum steht f\u00fcr uns die Freiheit des Einzelnen, deren Verletzung durch Straftaten verhindert oder zumindest sanktioniert werden muss. 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