{"id":1913,"date":"2017-02-28T20:49:22","date_gmt":"2017-02-28T19:49:22","guid":{"rendered":"https:\/\/julis.berlin\/?post_type=resolution&amp;p=1913"},"modified":"2017-02-28T20:49:22","modified_gmt":"2017-02-28T19:49:22","slug":"1000-und-1-update-digitalisierung-auf-dem-arbeitsmarkt","status":"publish","type":"resolution","link":"https:\/\/regio.julis.de\/berlin-alt\/beschlusssammlung\/1000-und-1-update-digitalisierung-auf-dem-arbeitsmarkt\/","title":{"rendered":"1000 und 1 Update &#8211; Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Die Digitalisierung und ihre Folgen sind einige der gr\u00f6\u00dften Chancen, die sich unserer Gesellschaft in den n\u00e4chsten Jahrzehnten bieten. Sie birgt ein herausragendes Potential, den B\u00fcrgern zu einer moderneren, nachhaltigeren und lebenswerteren Zukunft zu verhelfen \u2013 quer durch alle Lebensbereiche. Wir Junge Liberale Berlin sind Fortschrittsoptimisten und begr\u00fc\u00dfen diese Entwicklung. Wir sehen die Rolle der Politik darin, die Digitalisierung, wo m\u00f6glich, zu unterst\u00fctzen, gesetzliche H\u00fcrden zu hinterfragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz der gro\u00dfen M\u00f6glichkeiten sehen wir jedoch auch die Schwierigkeiten, die die Digitalisierung f\u00fcr viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit sich bringt. Ein Aspekt von besonderer Bedeutung ist hier die Auswirkung der Digitalisierung auf den Alltag vieler Arbeitnehmer. Insbesondere die Effizienzsteigerung in Berufen, in denen repetitive Arbeitsschritte leicht automatisiert werden k\u00f6nnen, vermindert die Nachfrage nach Arbeitskraft in eben diesen Bereichen. Im Gegenzug schafft die Digitalisierung jedoch auch komplett neue Arbeitsfelder und Berufe, welche neue F\u00e4higkeiten von ihren Arbeitnehmern abverlangen. Wir Junge Liberale Berlin sind optimistisch, dass die Digitale Revolution gesamtgesellschaftlich mehr Vorteile bringt, als sie Probleme schafft. Wir sind optimistisch, dass sie mehr neue, bisher zum Teil unbekannte, Jobs kreiert, als sie Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um die Gesellschaft rechtzeitig auf den bevorstehenden Wandel vorzubereiten, bedarf es eines besonderen Augenmerks der Politik. Die Sozialsysteme Deutschlands m\u00fcssen sich auf die st\u00e4rker verbreiteten atypischen Arbeitsverh\u00e4ltnisse einstellen, das Bildungssystem muss einen neuen Fokus auf die Digitalisierung, aber auch auf lebenslanges Lernen f\u00fcr die Gesamtbev\u00f6lkerung setzen und das deutsche Arbeitsrecht muss flexibler werden, um besser auf die Ver\u00e4nderungen der Arbeitswelt reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Digitale Bildung in der Schule<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Schule soll im Optimalfall vor allem f\u00fcr das Leben vorbereiten. F\u00fcr eine zunehmend durch Digitalisierung und globale Vernetzung gepr\u00e4gte Welt muss auch \u00fcberdacht werden, inwieweit noch die richtigen Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden. Insbesondere sollten Schl\u00fcsselqualifikationen f\u00fcr den Arbeitsmarkt 4.0 wie Entscheidungsfreiheit, individuelle Verantwortungsbereitschaft, Kreativit\u00e4t, soziale Intelligenz und unternehmerisches Denken zunehmend in den Mittelpunkt r\u00fccken. Auch muss der Umgang mit digitalen Medien eine st\u00e4rkere Rolle spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wichtig ist hierbei f\u00e4cher\u00fcbergreifendes Arbeiten, gleichberechtigt mit konventionellen, also nicht-digitalen Medien. Die Nutzung von digitalen Medien zu definierten Zeiten in definierten Kontexten ist f\u00fcr Sch\u00fcler aus der Generation der Digital Natives dagegen nicht zielf\u00fchrend. Dar\u00fcber hinaus bedarf es des verst\u00e4rkten Einbeziehens externer Lernplattformen, um individuelles Lernen zu erm\u00f6glichen. Dar\u00fcber hinaus soll in allen Unterrichtsf\u00e4chern eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Implikationen einer fortschreitenden Digitalisierung stattfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dreh- und Angelpunkt der Vermittlung sind die F\u00e4higkeiten der Lehrer. Gerade in einem Bereich, in dem Sch\u00fcler schneller sich neuen Herausforderungen gegen\u00fcbersehen, als es jeder Rahmenplan abbilden kann. So muss die Rolle des Lehrers neu \u00fcberdacht werden \u2013 vom rein Lehrenden vor einer Gruppe hin zum individuellen Lehrmanager, der eine gr\u00f6\u00dfere Verantwortung bei der Vor- und Nachbereitung \u201edigitaler\u201c Unterrichtsstunden tr\u00e4gt, und gezielter auf F\u00f6rder- und Forderbedarf eingehen kann. Dazu ist die \u00dcberarbeitung der Lehrerausbildung in diesem Bereich notwendig. Fortbildungen sind qualitativ zu verbessern und weiterhin auf freiwilliger Basis anzubieten. Nicht nur Sekundarschullehrer, sondern auch Grundschullehrer sollen bereits f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse des digitalen Lernens qualifiziert werden. Gleichzeitig braucht es auch einer angemessenen schulischen Ausstattung, wie etwa Tablets, Smartboards, Computer u.\u00e4., um die angestrebten Lernziele praktisch umsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Unmittelbar sollen au\u00dferdem extracurriculare Angebote, die digitale Kompetenzen vertiefen, gef\u00f6rdert werden. Im Unterricht sollen Sch\u00fcler verst\u00e4rkt auf online angebotene Lernplattformen f\u00fcr Digital- und Programmierinteressierte hingewiesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir fordern au\u00dferdem, Digitalisierung als Bildungsauftrag im Schulgesetz zu verankern und dass der Beschluss der Kultusminister-Konferenz vom 8. Dezember 2016 noch vor 2021 umgesetzt wird.<\/p>\n<h2>Lebenslanges Lernen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch wenn die Gesamtwirkung der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt positiv ausf\u00e4llt, stehen wir dennoch vor dem Problem, dass viele aktuelle, wie auch zuk\u00fcnftige Arbeitnehmer in Berufen arbeiten werden, f\u00fcr welche sie die n\u00f6tigen F\u00e4higkeiten erst noch erwerben m\u00fcssen. K\u00fcnftig werden Arbeitnehmer immer seltener ihr gesamtes Berufsleben mit der gleichen T\u00e4tigkeit bei dem gleichen Arbeitgeber angestellt sein. Aufgabe von Politik und Gesellschaft ist es, die Arbeitnehmer und Unternehmer dazu zu bef\u00e4higen, die Chancen der Digitalisierung f\u00fcr die Arbeitswelt zu nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir Junge Liberale Berlin denken, dass es Aufgabe von Politik ist, B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger dabei zu unterst\u00fctzen, die Chancen der Digitalisierung durch M\u00f6glichkeiten des lebenslangen Lernens nutzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zentral ist hierbei, dass die Fortbildung auf allen Berufsebenen gleicherma\u00dfen stattfindet. Sie soll sich nicht nur an diejenigen richten, deren Jobs konkret gef\u00e4hrdet sind, sondern an alle Arbeitnehmer gleicherma\u00dfen. Wenn jeder von ihnen seine digitale Qualifikation auch nur leicht ausbaut, ist es einfacher f\u00fcr niedrig qualifizierte Arbeitnehmer Anschluss zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine besondere Verantwortung f\u00fcr die Fortbildung ihrer Mitarbeiter tragen hierbei die Unternehmen. Es liegt auch in ihrem Interesse, bestehende Mitarbeiter zu halten und ihnen die M\u00f6glichkeit zur Fortbildung zu erm\u00f6glichen bzw. sie aktiv zu f\u00f6rdern. Fortbildungen und Projekte, die Arbeitnehmern nachweislich einen lebenslangen Vorteil und Unternehmen innovatives Wissen einbringen, d\u00fcrfen durch staatliche Regulierungen nicht verhindert werden. Auf digitale Innovationen bezogene Projekte und Weiterbildung k\u00f6nnen beispielsweise durch Steuererleichterungen staatlich gef\u00f6rdert werden, so dass ein positives Investitionsumfeld geschaffen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir fordern einen g\u00fcnstigen Zugang zur Bildung f\u00fcr alle. Um die Kosten f\u00fcr den Steuerzahler niedrig zu halten, setzen wir auch hier auf die Vorteile der Digitalisierung: Wir fordern die Schaffung von staatlich unterst\u00fctzen Bildungsplattformen nach dem Vorbild der \u201eOpen University\u201c, zu der jeder B\u00fcrger, unabh\u00e4ngig von seinem formellen Bildungsgrad, Zugang bekommen soll. Die Bildungsplattform soll Ihre Bildungsinhalte in Form von \u201eMassive Open Online Courses\u201c (MOOCs) \u00fcber das Netz zur Verf\u00fcgung stellen. Wie international bew\u00e4hrt, sollen die Inhalte von Universit\u00e4ten sowie privaten Anbietern generiert werden. Um die Anforderungen des Arbeitsmarktes treffsicher abzubilden, w\u00fcrden wir ein enges Kooperationsverh\u00e4ltnis zwischen Lehre und Wirtschaft begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ziel der staatlichen F\u00f6rderung der Bildungsplattform ist es prim\u00e4r, ihren Nutzern berufsf\u00f6rdernde Inhalte zu vermitteln. Festzulegen, welche Inhalte dies sind, ist nicht Aufgabe von Politik und staatlicher B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um die Teilnahme an diesen Kursen oder auch einzelnen Kursmodulen zu honorieren, soll ein standardisiertes Bewertungs- und Zertifizierungssystem eingef\u00fchrt werden, welche die Leistung der Kursteilnehmer bescheinigt. Ziel ist, die Anerkennung dieser Bildung durch Arbeitgeber. Des Weiteren sollen sich qualifizierte, online erarbeitete Kurse an einen universit\u00e4ren Bildungsabschluss anrechnen lassen.<\/p>\n<h2>Digitalisierung f\u00fcr die Arbeitsvermittlung nutzen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit den Daten, die die Digitalisierung bringt, lassen sich auch Nutzen f\u00fcr den Arbeitsmarkt und die Arbeitsvermittlung generieren. Arbeitsvermittlungsplattformen k\u00f6nnen die nachgefragten F\u00e4higkeiten, die Effizienz von Weiterbildungsprogrammen und die Produktivit\u00e4t von Arbeitnehmern besser auswerten als bisher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf diese Daten muss k\u00fcnftig zum Beispiel bei Weiterbildungsprogrammen zur\u00fcckgegriffen werden k\u00f6nnen, um diese st\u00e4rker an den auf dem Arbeitsmarkt ben\u00f6tigten F\u00e4higkeiten auszurichten. Gleichzeitig muss jeder B\u00fcrger weiterhin Herr seiner Daten bleiben k\u00f6nnen. Eine automatische Weitergabe personenspezifischer Daten an m\u00f6gliche Arbeitgeber lehnen wir ab.<\/p>\n<h2>Soziale Absicherung im digitalen Zeitalter<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Strukturwandel durch die Digitalisierung ver\u00e4ndert die bisher herrschenden Annahmen von Arbeitsverh\u00e4ltnissen und unsere Art zu arbeiten. Das tradierte Leitbild des Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses, das \u00fcber 40 Jahre bei einem Unternehmen im selben Bereich andauert, wird sich in den n\u00e4chsten Jahrzehnten ver\u00e4ndern. Mit der Digitalisierung wird sich die Flexibilit\u00e4t der Arbeitnehmer steigern m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das digitale Zeitalter ver\u00e4ndert die klassischen Lebens- und Erwerbsbiografien vieler Menschen. Deshalb muss sich das Rentensystem ver\u00e4ndern, um auf die wechselnden Verh\u00e4ltnisse in der Arbeitswelt angemessen reagieren zu k\u00f6nnen. Individualit\u00e4t und Eigenverantwortung k\u00f6nnen gesteigert werden, indem der Renteneintritt flexibel m\u00f6glich ist und jegliche Hinzuverdienstgrenzen bei der Rente entfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Altersvorsorge muss k\u00fcnftig als flexibler Baukasten organisiert sein, in dem die unterschiedlichen Elemente der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge kombinierbar sind. Hierbei muss die Portabilit\u00e4t von Anwartschaften und Vorsorgeprodukten erm\u00f6glicht werden. Zudem sollte ein digitales Konto geschaffen werden, um einen \u00dcberblick \u00fcber die Vorsorgesituation zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die zunehmende Flexibilit\u00e4t der Arbeit wird dazu f\u00fchren, dass Menschen zunehmend mobiler auf dem Arbeitsmarkt werden. Nicht nur innerhalb Deutschlands wird sich der Wettbewerb um die besten Arbeitskr\u00e4fte erh\u00f6hen, sondern auch weltweit. Langfristig ist es notwendig, dass Versicherungsanspr\u00fcche und betriebliche Vorsorge auch l\u00e4nder\u00fcbergreifend in Anspruch genommen werden k\u00f6nnen und kombinierbar sind, so dass Besch\u00e4ftigte keine Anspr\u00fcche einb\u00fc\u00dfen, ganz gleich, welche Erwerbsbiografie sie verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir sind der Auffassung, dass die Digitalisierung nicht das Ende der Arbeit bedeuten wird. Diese vielfach beschworene Albtraumvorstellung kann insbesondere nicht durch \u00e4hnliche historische Umbr\u00fcche best\u00e4tigt werden. Technologischer Fortschritt hat im Ergebnis stets zu einer Verbesserung der Arbeits- und Lebensumst\u00e4nde und auch zu einer Steigerung der Erwerbsarbeit gef\u00fchrt, da dass Aufgabenspektrum in der Arbeit breiter wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Daher sprechen wir uns gegen die Einf\u00fchrung eines bedingungslosen Grundeinkommens aus. Wir Junge Liberale Berlin unterliegen nicht dem Trugschluss, dass die durch Digitalisierung gewonnene Produktivit\u00e4t durch Nichtarbeit ausgeglichen werden muss. Vielmehr wird es dem Einzelnen erm\u00f6glicht, seine Ideen und Tr\u00e4ume zu verwirklichen. Wir sind der Meinung, dass Erwerbst\u00e4tigkeit ein sinnstiftendes Element im Leben eines jeden Menschen sein kann, das Selbstbewusstsein und Erf\u00fcllung bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um eine soziale Absicherung beim Strukturwandel zu erm\u00f6glichen, fordern wir Junge Liberale Berlin stattdessen die Einf\u00fchrung eines liberalen B\u00fcrgergeldes. Das B\u00fcrgergeld unterst\u00fctzt Menschen, die keinen Beruf haben oder denen nur ein geringes Einkommen zur Verf\u00fcgung steht, nimmt aber auch nicht den Anreiz eine Erwerbsarbeit aufzunehmen. Es ist in der Lage, in gleichem Ma\u00dfe auf die Arbeitssituation des Arbeitnehmers zu reagieren, wie der Arbeitnehmer auf den Arbeitsmarkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Schon heute schaffen digitale Angebote immer mehr selbstst\u00e4ndige Arbeit. Dieser Wandel ist notwendig, denn eine digital wettbewerbsf\u00e4hige Wirtschaft ben\u00f6tigt junge, innovative Unternehmen. Dabei zeichnet sich jedoch ab, dass die Rahmenbedingungen der Selbstst\u00e4ndigkeit ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen, um Kreativit\u00e4t und Innovation zu st\u00e4rken, aber prek\u00e4re Situationen zu verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um Selbstst\u00e4ndige auch bei einem eventuellen Scheitern st\u00e4rker abzusichern, sollte es ihnen erleichtert werden, wie Angestellte, freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einzahlen zu k\u00f6nnen. Der Eintritt muss jederzeit m\u00f6glich sein. Die Beitr\u00e4ge m\u00fcssen sich am tats\u00e4chlichen Jahreseinkommen der Selbstst\u00e4ndigen orientieren. Eine weitere soziale Absicherung k\u00f6nnte zudem in Zusammenarbeit mit den Plattformanbietern auf privater Ebene entstehen. Dabei sind vor allem Zusammenschl\u00fcsse von Selbstst\u00e4ndigen und Plattformanbietern (Pooling) in Betracht zu ziehen.<\/p>\n<h2>Mitarbeiterbeteiligung<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Um den Produktivit\u00e4tsgewinn durch die Digitalisierung und damit einhergehende steigende Kapitalgewinne auch an die Arbeitnehmer bzw. Dienstleister weiterzugeben, k\u00f6nnten neue Verg\u00fctungsmodelle genutzt werden. Eine bessere Beteiligung von Arbeitnehmern am wirtschaftlichen Erfolg ist schon deshalb notwendig, weil k\u00fcnftig mehr Eigenleistungen im Bereich der Gesundheit, Rente und Pflege erbracht werden m\u00fcssen. Wir fordern in diesem Zusammenhang, die Kapitalbeteiligung und Erfolgsbeteiligung f\u00fcr Mitarbeiter und Dienstleister st\u00e4rker zu f\u00f6rdern. Insbesondere sollten die H\u00f6chstgrenzen der Steuer- und Sozialabgabenbefreiung erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<h2>Reform des Arbeitsrechts<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Die technischen Ver\u00e4nderungen der Digitalisierung bieten die M\u00f6glichkeit die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit leichter zu verwirklichen. Flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge vom Job ins Privatleben sowie eine Verbindung von Wohnung und Arbeitsplatz k\u00f6nnen im Ergebnis zu mehr Lebenszufriedenheit f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erster Ansatzpunkt ist eine notwendige Reform der Arbeitszeitsouver\u00e4nit\u00e4t. Statt wie bisher eine t\u00e4gliche H\u00f6chstarbeitszeit, fordern wir die Umstellung auf eine Wochenarbeitszeit. Dies f\u00fchrt zu mehr Flexibilit\u00e4t f\u00fcr Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Gleichzeitig m\u00fcssen auch Langzeitkonten st\u00e4rker verbreitet werden, mit deren Hilfe Arbeitnehmer ihre geleisteten Arbeitsstunden f\u00fcr eine phasenweise Freistellung ansparen k\u00f6nnen und bei Bedarf nutzen. Gesetzliche Beschr\u00e4nkungen, die diese privatrechtlichen Vereinbarungen beschr\u00e4nken sind \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Arbeitnehmern muss es auch m\u00f6glich sein, flexibel ihren Arbeitsort ausw\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Wenn Angestellte sich mit ihrem Arbeitgeber z.B. auf die Arbeit aus dem \u201eHome Office\u201c einigen, sollten die gesetzlichen \u00dcberpr\u00fcfungspflichten hinsichtlich der Gestaltung des Arbeitsplatzes durch den Arbeitgeber wegfallen. Das mobile Arbeiten muss jedoch freiwillig bleiben, weshalb wir ein R\u00fcckkehrrecht an den betrieblichen Arbeitsplatz fordern, um Flexibilit\u00e4t in beide Richtungen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Durch die Digitalisierung wird es zu einer verst\u00e4rkten Spezialisierung von wirtschaftlichen Prozessen kommen. Arbeitnehmer und Unternehmen werden ihre Leistungen vermehrt \u00fcber Plattformen und nur auf kurzer zeitlicher Basis erbringen. Folglich werden Dienst- und Werkvertr\u00e4ge k\u00fcnftig f\u00fcr die Arbeitsteilung notwendiger und ihre Bedeutung wird steigen. Diese Vertragsformen d\u00fcrfen auch k\u00fcnftig nicht eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dar\u00fcber hinaus ist es auch notwendig, befristete Besch\u00e4ftigung und Zeitarbeit nicht einzuschr\u00e4nken, da sie eine f\u00fcr etablierte Unternehmen wie Startups relevante M\u00f6glichkeit sind, auf die in der digitalen Arbeitswelt vorkommenden Schwankungen zu reagieren.<\/p>\n<h2>Digitalisierung im Unternehmen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt kann letztendlich nur in den Unternehmen selbst erfolgen, muss allerdings von guten Rahmenbedingungen durch die Politik erst erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Jungen Liberalen Berlin stellen fest, dass ein Digitalisierungsprozess in den Unternehmen nicht ausschlie\u00dflich durch ein breites Angebot an Fortbildungsma\u00dfnahmen gesichert werden kann, sondern vor allem dadurch erst angesto\u00dfen wird, dass Unternehmen digitale Prozesse in ihr Gesch\u00e4ftsmodell integrieren. Die bisherigen Anreiz- und F\u00f6rdersysteme haben sich dabei als wenig effizient erwiesen. Wir sprechen uns daher f\u00fcr ein einfaches und transparentes Modell der Digitalisierungsf\u00f6rderung in den Unternehmen aus. Der Staat muss daher die Rahmenbedingungen schaffen und den Austausch von Unternehmen mit allen Hochschulen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dar\u00fcber hinaus muss auch in der beruflichen und akademischen Bildungslandschaft eine digitale Infrastruktur geschaffen werden, die es Unternehmen erlaubt, mit gut ausgebildeten Fachkr\u00e4ften digitale Projekte umzusetzen. Wir fordern daher eine deutlich st\u00e4rkere Kooperation von Hochschulen und Wirtschaft, um Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Betriebe zu unterst\u00fctzen. Besonders die Fachhochschulen sehen wir in der Position, k\u00fcnftig als Hauptansprechpartner bei digitalen Unternehmungen zu fungieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Ausbildung setzen wir uns f\u00fcr die Einrichtung digitaler Bildungszentren ein, an denen Azubis ihren Ausbildungszweigen entsprechende digitale F\u00e4higkeiten vertiefen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um den Unternehmen einen soliden Rahmen f\u00fcr die Fortbildung ihrer Mitarbeiter zu geben, sollen Digitalisierung und digitale Qualifizierungsprogramme Teilschwerpunkte in jedem F\u00f6rderprogramm der Berliner Wirtschaft werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung und ihre Folgen sind einige der gr\u00f6\u00dften Chancen, die sich unserer Gesellschaft in den n\u00e4chsten Jahrzehnten bieten. 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