{"id":1856,"date":"2019-06-29T11:04:21","date_gmt":"2019-06-29T09:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/julis.berlin\/?post_type=resolution&amp;p=1856"},"modified":"2019-06-29T11:04:21","modified_gmt":"2019-06-29T09:04:21","slug":"dualupdate-liberale-vorschlaege-fuer-eine-moderne-berufliche-bildung","status":"publish","type":"resolution","link":"https:\/\/regio.julis.de\/berlin-alt\/beschlusssammlung\/dualupdate-liberale-vorschlaege-fuer-eine-moderne-berufliche-bildung\/","title":{"rendered":"DualUpdate &#8211; Liberale Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine moderne berufliche Bildung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Die duale Berufsausbildung in Deutschland gilt seit langem als vorbildlich. Doch das System ist lange nicht mehr so erfolgreich, wie es klingt. Eine zunehmende Akademisierung dr\u00e4ngt die duale Berufsausbildung in ein Schattendasein. Dabei m\u00fcssen sich Ausbildungsberufe dem Wandel unserer Zeit anpassen. Wir brauchen in Berlin und Deutschland ein Update der beruflichen Bildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Denn eine Ausbildung ist kein Abschluss zweiter Klasse, sondern als Basis f\u00fcr das R\u00fcckrad unseres Mittelstandes ebenso viel wert wie ein Studium und ein gleichwertiger Lebensweg wie eine akademische Laufbahn. Denn die duale Ausbildung verringert die Jungendarbeitslosigkeit in Deutschland und erm\u00f6glicht es jungen Menschen, qualifizierte Fachkr\u00e4fte mit hervorragenden beruflichen Perspektiven zu werden. Das Ausbildungssystem verbindet dabei Bildung und Arbeitsmarkt und sorgt f\u00fcr die nachhaltige Wettbewerbsf\u00e4higkeit unserer Wirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dennoch sinkt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsvertr\u00e4ge, ebenso wie die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen steigt. Wir Junge Liberale wollen deshalb H\u00fcrden f\u00fcr junge Menschen vor und w\u00e4hrend der Ausbildung beseitigen, um die Ausbildung wieder attraktiv zu machen.<\/p>\n<h1><b>Ein besserer Start in die Ausbildung!<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Regel f\u00e4llt zum Ende der Schulzeit eine Entscheidung zur k\u00fcnftigen Berufswahl. Deshalb ist es wichtig, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bis dahin verschiedene Optionen kennenlernen und einen breiten \u00dcberblick \u00fcber die Angebote der Berufswelt bekommen. Au\u00dferdem m\u00fcssen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die keine Ausbildungsreife haben, durch bedarfsgerechte Angebote unterst\u00fctzt werden. Deshalb fordern wir:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify\">Einstiegsangebote f\u00fcr nicht ausbildungsreife Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, wie Praxisklassen und assistierte Ausbildung, sowie das Berliner Ausbildungsmodell (BAM) zu st\u00e4rken und auszubauen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Um die Ausbildungsbeteiligung insbesondere von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erh\u00f6hen, sollen, sofern nicht vorhanden, lokale Netzwerke aus Arbeitsagenturen, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern, Integrationslotsen, Ausbildungsberatern, Industrie- und Handelskammer, Vereinen sowie Bezirken initiiert werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Alle Schulen m\u00fcssen verpflichtend ab Klasse 9 Berufsorientierungsangebote durchf\u00fchren, neben einem verpflichtenden Kernbereich, muss die Wahl der Angebote ansonsten aber den Schulen frei sein. Alle Ma\u00dfnahmen zur Berufsorientierung m\u00fcssen in einen \u00fcbersichtlichen und verst\u00e4ndlichen Plan f\u00fcr die Schulen geb\u00fcndelt werden. Zudem m\u00fcssen die Angebote zur Berufsorientierung wissenschaftlich evaluiert und redundante Angebote zusammengefasst werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Die Einf\u00fchrung von Verbleibstatistiken durch eine engere Verzahnung von Jugendberufsagenturen und Schulen. Dabei soll der anonymisierte Datenaustausch auch zur\u00fcck an die Schulen gehen. Auf Basis dieser Statistiken soll das Land Berlin geeignete F\u00f6rderma\u00dfnahmen zur Verf\u00fcgung stellen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Das Projekt \u201eAusbildungsbotschafter\u201c auch in Berlin zu starten und in den Pflichtteil der Berufsorientierung in Berlin aufzunehmen. Zudem muss eine Ausbildung bei der Berufsorientierung an Gymnasien ebenso ein Thema sein wie an ISS. Ebenso soll das \u201eBerliner Netzwerk f\u00fcr Ausbildung\u201c in das Landeskonzept \u201eBerufs- und Studienorientierung Berlin\u201c aufgenommen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<h1><b>Moderne Ausbildungsstrukturen f\u00fcr eine erfolgreiche Zukunft<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch wenn das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung seit langer Zeit eine Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg der deutschen Wirtschaft ist, muss es in Zeiten der Digitalisierung sowie wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen aktualisiert werden. In Zeiten, in denen mehr junge Menschen studieren, als sich f\u00fcr eine Ausbildung entscheiden, brauchen wir moderne und flexible Ausbildungsstrukturen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir wollen Jugendliche und Betriebe bei der Berufsausbildung unterst\u00fctzen und streben eine bundesweite und mittelfristig europ\u00e4ische Modularisierung der Ausbildung in allen Ausbildungsberufen an. Dabei werden die Ausbildungsinhalte in standardisierte, arbeitsmarktbezogene Kompetenzeinheiten zusammengefasst und die Ausbildung in diese dadurch entstehenden Ausbildungsbausteine gegliedert. Die absolvierten Module sollen auch f\u00fcr weitere Ausbildungen erhalten bleiben und bei weiteren Qualifikationen anerkannt werden. So k\u00f6nnen leistungsschwache und leistungsstarke Auszubildende gleicherma\u00dfen gest\u00e4rkt werden, indem sie die M\u00f6glichkeit erhalten, die Ausbildung individuell zu gestalten und weitere Qualifikationen zu erlernen oder ihr eigenes Lerntempo zu verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor diesem Hintergrund m\u00fcssen ebenfalls mehr Ausnahmen im Hinblick auf die gesetzliche Mindestausbildungsdauer geschaffen werden. So soll eine Verk\u00fcrzung der Mindestausbildungsdauer k\u00fcnftig leichter m\u00f6glich sein, wenn sich Ausbildungsbetrieb und Auszubildende gemeinsam darauf einigen und ein Mindeststandard in der Ausbildung gewahrt bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gleichzeitig muss auch die betriebliche Seite der Ausbildung moderner werden. In Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels ist es nicht haltbar, wenn ein Drittel aller Azubis keinen betrieblichen Ausbildungsplan erhalten oder immer mehr Auszubildende ausbildungsfremde T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben. Wir wollen eine unabh\u00e4ngige Einrichtung schaffen, die als externe und interne Schlichtungsstelle bei Konflikten in der Ausbildung auftreten soll. Au\u00dferdem muss die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) hier modernisiert werden: Dem Ausbildungspersonal muss eine regelm\u00e4\u00dfige Weiterbildung erm\u00f6glicht werden. Um die pers\u00f6nliche Eignung der Ausbilder zu st\u00e4rken, sollen methodisch-didaktische und jugendp\u00e4dagogische Kompetenzen in der AEVO erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Neue, bisher nicht anerkannte Ausbildungsberufe und Ausbildungsg\u00e4nge m\u00fcssen zuk\u00fcnftig schneller zugelassen werden. Wir wollen die Anerkennungsverfahren beschleunigen, indem wir die \u00f6ffentlichen Fachstellen mit mehr Personal ausstatten und au\u00dferdem die Erprobung von Ausbildungsberufen vereinfachen, um schneller zu einer Anerkennung zu gelangen. Berufe, f\u00fcr die es bisher zwar einen Abschluss gibt, aber keine Ausbildung, sollen dabei ebenso ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<h1><b>Mehr Durchl\u00e4ssigkeit an OSZ!<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein wichtiger Schritt, um die Attraktivit\u00e4t der dualen Berufsausbildung zu erh\u00f6hen, ist, die Durchl\u00e4ssigkeit der Berufsschulen bzw. Oberstufenzentren zu erh\u00f6hen. Berufsschulen und OSZ m\u00fcssen umfassende Bildungs- und Ausbildungsm\u00f6glichkeiten anbieten und dabei dem Prinzip eines Berufskollegs folgen. Sie m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit bieten, Schulabschl\u00fcsse auf allen Qualifikationsebenen zu erwerben bzw. nachzuholen und die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife mit besonderem Qualifikationsprofil zu erlangen. Daf\u00fcr sollen k\u00fcnftig alle OSZ das Berufsabitur anbieten. Ziel muss sein, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die das allgemeinbildende Schulwesen ohne Abschluss verlassen haben, durch intensive Betreuung und Praxisbezug zu neuem Erfolg und Selbstvertrauen zu verhelfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ebenso sollen Berufsschulen k\u00fcnftig als europ\u00e4ische Schulen ausgerichtet sein. Durch die Integration von europ\u00e4ischen Aspekten soll auch der europ\u00e4ische Austausch in der Berufsausbildung durch Erasmus+ erleichtert werden. In diesem Bereich sollen, wie auch an Universit\u00e4ten, Ausbildungsberater bei der Organisation unterst\u00fctzend zu Hilfe kommen. Zudem m\u00fcssen die \u00f6ffentlichen F\u00f6rderprogramme ausgebaut und mehr Vollfinanzierungsmodelle geschaffen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir wollen einen Spurwechsel sowohl ins Studium als auch in die Ausbildung erm\u00f6glichen. Viel zu h\u00e4ufig wird ein Wechsel zwischen Hochschule und Ausbildung eindimensional betrachtet. Notwendig ist jedoch eine wechselseitige Anerkennung von Qualifikationen in Studium und Ausbildung. Dadurch schaffen wir bessere Perspektiven f\u00fcr Studienabbrecher oder Auszubildende, die auf ihren erlernten F\u00e4higkeiten aufbauen k\u00f6nnen und so ihre Ausbildung oder ihr Studium verk\u00fcrzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ebenso fordern wir, dass Menschen, die seit l\u00e4ngerer Zeit in einem Betrieb ohne Berufsausbildung gearbeitet haben, einen Ausbildungsabschluss in einem verk\u00fcrzten, teilweise berufsbegleitenden Modell erlangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h1><b>Lebensverh\u00e4ltnisse von Auszubildenden verbessern<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">Neben den fachlichen, schulischen und betrieblichen Verbesserungen der Ausbildung m\u00fcssen auch die Lebensbedingungen der Auszubildenden verbessert werden. Hierzu geh\u00f6ren vor allem eine Verbesserung der Mobilit\u00e4t, der Wohnsituation und damit der Eigenverantwortung, wie auch der Repr\u00e4sentation. Aus diesen Gr\u00fcnden fordern wir:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify\">Um die Themen von Auszubildenden st\u00e4rker zu vertreten, muss die Jugend- und Ausbildungsvertretung gest\u00e4rkt werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">In Berlin m\u00fcssen Ausbildungswohnheime (sog. Wohncampus) gebaut werden. Ausbildungswohnheime sollen Auszubildenden und Studierenden gleicherma\u00dfen zur Verf\u00fcgung stehen. Bestehende Studentenwohnheime sollen auch f\u00fcr Auszubildende ge\u00f6ffnet werden. Eine Bauoffensive schafft bezahlbaren Wohnraum f\u00fcr alle junge Erwachsenen in Ausbildung, Ausbildungswohnheime schaffen ein gemeinsames Miteinander.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Das Studierendenwerk muss zu einem Studierenden- und Auszubildendenwerk reformiert werden, das etwa die Verwaltung der Wohnheime \u00fcbernimmt oder die Beantragung von Leistungen nach dem BAf\u00f6G unterst\u00fctzt.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Ein Azubi-Ticket f\u00fcr den \u00d6PNV vergleichbar mit dem Semesterticket, das den Preis f\u00fcr Nahverkehr erheblich senkt. Genauso m\u00fcssen \u00f6ffentliche Einrichtungen, wenn Verg\u00fcnstigungen f\u00fcr Sch\u00fcler oder Studenten angeboten werden, auch stets eine Verg\u00fcnstigung f\u00fcr Azubis anbieten. Die Auszubildenenvertretung muss dazu gest\u00e4rkt werden, um mit den Verkehrsunternehmen auf Augenh\u00f6he verhandeln und beispielweise auch Kooperationen mit privaten Unternehmen (Nextbike, Coop etc.) eingehen und abschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Die finanzielle Grundlage von Auszubildenden besser zu sichern. Daf\u00fcr wollen wir das Sch\u00fcler-BAf\u00f6G und die Berufsausbildungsbeihilfe mit dem generellen BAf\u00f6G harmonisieren und so an die steigenden Lebenshaltungskosten anpassen. Mittelfristig soll das BAf\u00f6G einheitlich und elternunabh\u00e4ngig berechnet werden.\u00a0Die Bearbeitungszeit f\u00fcr das Baf\u00f6g, BAB etc. soll soweit optimiert werden, dass die Zu- oder Absage bis sp\u00e4testens 6 Monate nach Beginn der Ausbildung\/ des Studiums erfolgt.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Die Mittel f\u00fcr Stipendienprogramme m\u00fcssen erh\u00f6ht werden. Die Angebote m\u00fcssen dabei nicht nur f\u00fcr Studium und Promotion, sondern auch f\u00fcr Ausbildungen ge\u00f6ffnet werden. Das Begabtenf\u00f6rderungswerk berufliche Bildung soll daher besser ausgestattet und die F\u00f6rderungsstrukturen f\u00fcr private Stiftungen, Unternehmen und auch Betriebe attraktiver gemacht werden. Mittelfristig wollen wir die Begabtenf\u00f6rderung f\u00fcr Studenten und Auszubildende verbinden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Im Gesundheitswesen ist auf eine einheitliche Zahlung der Ausbildungsverg\u00fctung zu achten und das Entrichten von Schulgeld (durch den Sch\u00fcler) abzuschaffen.<\/li>\n<\/ul>\n<h1><b>Betriebe und Auszubildende st\u00e4rker unterst\u00fctzen<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">W\u00e4hrend sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Ausbildungspl\u00e4tze in Berlin stetig erh\u00f6ht hat, sinkt die Zahl der Bewerber f\u00fcr Ausbildungspl\u00e4tze immer weiter. Genauso steigt aber die Zahl der nicht besetzten Ausbildungspl\u00e4tze seit Jahren immer weiter an. In Berlin bleiben mittlerweile \u00fcber 1200 Pl\u00e4tze frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dies hat bei vielen Betrieben dazu gef\u00fchrt, selbst mehr Verantwortung bei der Qualifikation von Jugendlichen zu \u00fcbernehmen. Diese Anstrengungen m\u00fcssen, gerade in Anbetracht der Kosten einer Ausbildung f\u00fcr Betriebe, st\u00e4rker unterst\u00fctzt werden. Deshalb wollen wir Betriebe, die innbetriebliche Hilfs- und Unterst\u00fctzungsangebote anbieten, durch F\u00f6rderprogramme unterst\u00fctzen. Angebote, wie die betriebliche Einstiegsqualifizierung, m\u00fcssen st\u00e4rker durch die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit an kleine und mittlere Unternehmen herangetragen werden, sodass auch sie davon profitieren k\u00f6nnen. K\u00fcnftig soll beim Berliner Ausbildungsmodell auch eine vollst\u00e4ndige Kosten\u00fcbernahme des ersten Ausbildungsjahrs m\u00f6glich sein, um die Ausbildungschancen aller Jugendlichen zu erh\u00f6hen. Zudem fordern wir, dass alle Unterst\u00fctzungsangebote mit einer solchen Zielrichtung evaluiert und fehlgehende Programme beendet werden.<\/p>\n<h1><b>Gute Ausbildungsbedingungen sicherstellen<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir setzen uns f\u00fcr faire Ausbildungsbedingungen in der Ausbildung ein. Daf\u00fcr braucht es attraktive Arbeitsbedingungen, flexible und familienfreundliche Arbeitszeiten, Ausbildungsverb\u00fcnde mit mehreren Unternehmen und eine angemessene Verg\u00fctung. Diese Ausbildungsbedingungen sollten nicht nur von privaten Unternehmen, sondern auch vom Staat als Ausbilder garantiert werden. So muss etwa die Teilzeit-Ausbildung f\u00fcr Alleinerziehende erleichtert werden und Teil der assistierten Ausbildung werden. Ein weiteres Augenmerk soll auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelegt werden, indem Regelungen zur M\u00f6glichkeit der Teilzeitausbildung in den Ausbildungsgesetzen der Berufe implementiert werden. Eine Teilzeitausbildung soll, auch aufgrund der verl\u00e4ngerten Ausbildungszeit, dabei nur in Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Unbezahlte \u00dcberstunden oder ausbildungsfremde T\u00e4tigkeiten sind kein Teil der Ausbildung und f\u00f6rdern nicht die Attraktivit\u00e4t. Wir fordern Regelungen f\u00fcr Unternehmen und Sozialpartner, die allgemeine Qualit\u00e4ts- und Mindeststandards festlegen. Die Kammern m\u00fcssen bei Fehlverhalten konsequenter agieren und sanktionieren. Au\u00dferdem fordern wir eine Ank\u00fcndigungspflicht bei Nicht\u00fcbernahme nach der Ausbildung, mindestens drei Monate vor dem Ende der Ausbildung, sofern durch die \u00dcbernahme keine unbillige H\u00e4rte entstehen.<\/p>\n<h1><b>Vollzeitschulische Berufsausbildung vs. Duale Ausbildung<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir Junge Liberale stehen f\u00fcr Vielfalt. Je nach Vorqualifikation und Situation sowie Berufswunsch kann duale aber auch vollzeitschulische Ausbildung sinnvoll sein. Oftmals ergibt sich jedoch ein Missverh\u00e4ltnis. Einige vollzeitschulische Ausbildungsg\u00e4nge bilden am Markt vorbei aus und bieten im Anschluss nur eine schlechte Berufsperspektive. Vollzeitschulische Ausbildungsg\u00e4nge d\u00fcrfen nicht am Arbeitsmarkt vorbei ausbilden. Aus diesen Gr\u00fcnden fordern wir eine \u00dcberpr\u00fcfung von derzeit vollzeitschulischen Ausbildungsformen und gegebenenfalls die \u00dcberf\u00fchrung in das duale Ausbildungssystem.<\/p>\n<h1>Eine bessere Berufsschule f\u00fcr Auszubildende<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">Kaum eine Schule hat derart diverse Klassen wie ein Oberstufenzentrum. Kaum eine Schule muss so direkt auf den Arbeitsmarkt vorbereiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler besser zu betreuen, bedarf es individueller F\u00f6rderung. Alle Oberstufenzentrum brauchen daher eine dauerhafte Ausstattung mit Planstellen von Sozialp\u00e4dagogen und Schulpsychologen, die Lehrer und Sch\u00fcler unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gleichzeitig m\u00fcssen die Berliner Oberstufenzentren besser ausgestattet werden. Einem Sanierungsbedarf von \u00fcber 350 Mio. Euro steht lediglich eine Finanzierung von Bauma\u00dfnahmen in H\u00f6he von 275 Mio. Euro gegen\u00fcber. Eine solche Vernachl\u00e4ssigung der beruflichen Schulen muss endlich beendet werden. Deshalb fordern wir Junge Liberale Berlin, dass die notwenige finanzielle Ausstattung vom Senat bereitgestellt wird. Gerade in Anbetracht der zweith\u00f6chsten Ausgaben f\u00fcr beruflicher Bildung pro Kopf aller Bundesl\u00e4nder zeigt sich, dass die vorhandenen Mittel besser eingesetzt werden m\u00fcssen. Durch eine Reduzierung der vollzeitschulischen Ausbildungsg\u00e4nge schaffen wir Spielraum f\u00fcr die Verbesserung der Strukturen in Berlin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um die Ausstattung der Berufsschulen auf einem aktuellen Stand zu halten, w\u00e4re ein regelm\u00e4\u00dfiger Austausch notwendig. Vielfach werden diese Anforderungen jedoch um Jahre \u00fcberschritten. Auch hier brauchen wir mehr finanzielles Engagement f\u00fcr die Oberstufenzentren. Wir setzen uns f\u00fcr freiwillige Ausbildungspakte zwischen Politik, Unternehmen, Verb\u00e4nden und Gewerkschaften ein, bei denen sich die Teilnehmer finanziell an der Erneuerung von technischen Ger\u00e4ten beteiligen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den kommenden Jahren werden Tausende Berufsschullehrer in ganz Deutschland in Pension gehen. Eine Unterversorgung von Lehrkr\u00e4ften und schlechtere Betreuungsschl\u00fcssel sind absehbar. Wir fordern \u00a0spezielle Stipendien f\u00fcr Studenten, die sich verpflichten, im Anschluss eine gewisse Zeit als Berufsschullehrer in Berlin zu arbeiten. Ebenso muss zu einer Erh\u00f6hung der Bezahlung und zu besseren Aufstiegschancen bei Berufsschullehrern kommen. Gerade Lehrer f\u00fcr Fachpraxis sollten bei steigenden Leitungsaufgaben eine bessere Bezahlung erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz der erheblichen Investitionszw\u00e4nge sprechen wir uns gegen (nachgelagerte) Ausbildungsgeb\u00fchren aus und fordern Geb\u00fchrenfreiheit f\u00fcr alle Ausbildungsg\u00e4nge. Gerade in Anbetracht des Fachkr\u00e4ftemangels und der sinkenden Zahl von Auszubildenden sind Ausbildungsgeb\u00fchren nicht angebracht.<\/p>\n<h1><b>Auf dem Weg zur digitalen Lehrstelle<\/b><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify\">Unsere Welt befindet sich im digitalen Wandel. Das Arbeitsumfeld der kommenden Generation stellt Anforderungen, die nur unzureichend in der Berufsschule abgebildet werden. Ein \u00dcberblick in Berlin zeigt, dass 93 Prozent der Oberstufenzentren nicht \u00fcber Breitbandinternet verf\u00fcgen und \u00fcber 79 Prozent kein WLAN haben. Nach Angaben der IHK k\u00f6nnen teilweise keine Pr\u00fcfungen abgelegt werden, weil Verbindungen abbrechen oder schon nicht gestartet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um die Berufsschulen Berlins in das digitale Zeitalter zu bef\u00f6rdern, braucht es zun\u00e4chst du grundlegende Infrastruktur. Gr\u00f6\u00dfte Priorit\u00e4t hat der durchgehende Ausbau von Breitband und fl\u00e4chendeckendes WLAN an den Oberstufenzentren. Ebenso fordern wir eine Integration von Oberstufenzentren an das Eduroam-Netzwerk. Daneben m\u00fcssen Klassenr\u00e4ume standardm\u00e4\u00dfig so ausgestattet werden, dass ein digitaler Unterricht m\u00f6glich ist. Die Oberstufenzentren m\u00fcssen dabei selbst festlegen, ob sie Tablets, Laptops oder eine \u201eBring-Your-Own-Device\u201c-Strategie nutzen. Au\u00dferdem m\u00fcssen nach Vorbild des \u201eDigital.Learning.Lab\u201c vom Senat eine Online-Toolbox f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte entwickelt werden, die von Lehrkr\u00e4ften f\u00fcr digitale Lernmethoden genutzt werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um die Vermittlung von Digitalkompetenzen zu erm\u00f6glichen, m\u00fcssen Berufsschullehrer selbst Kompetenzen in diesem Bereich erlangen. Wir fordern den verpflichtenden Besuch von Fortbildungsveranstaltungen zu Digitalthemen von allen Lehrkr\u00e4ften. Digitale P\u00e4dagogik muss zudem Teil der Berufsschullehrerausbildung an Universit\u00e4ten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Soweit sinnvoll, sollen ausbildungsspezifische digitale Kompetenzen in Ausbildungsordnungen aufgenommen und neue Ausbildungsberufe geschaffen werden, die den Anforderungen eines digitalen Arbeitsmarktes entsprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die duale Berufsausbildung in Deutschland gilt seit langem als vorbildlich. Doch das System ist lange nicht mehr so erfolgreich, wie es klingt. Eine zunehmende Akademisierung dr\u00e4ngt die duale Berufsausbildung in ein Schattendasein. Dabei m\u00fcssen sich Ausbildungsberufe dem Wandel unserer Zeit anpassen. Wir brauchen in Berlin und Deutschland ein Update der beruflichen Bildung. 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