{"id":1319,"date":"2011-11-30T16:05:01","date_gmt":"2011-11-30T15:05:01","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin.multisite.julis.de\/?post_type=resolution&amp;p=1319"},"modified":"2011-11-30T16:05:01","modified_gmt":"2011-11-30T15:05:01","slug":"rentenreform-2013","status":"publish","type":"resolution","link":"https:\/\/regio.julis.de\/berlin-alt\/beschlusssammlung\/rentenreform-2013\/","title":{"rendered":"Rentenreform 2013"},"content":{"rendered":"<p>\u201eKinder kriegen die Leute immer\u201c, kommentierte Konrad Adenauer im Jahre 1957 die Einf\u00fchrung der umlagefinanzierten Rentenversicherung. Weit gefehlt! Und \u00fcberhaupt: \u201eWas interessiert mich mein Geschw\u00e4tz von gestern\u201c? Schon vier Jahre sp\u00e4ter verschwanden die Kinder \u2013 es war 1961 und die Antibabypille kam auf den westdeutschen Markt.<\/p>\n<p>Die Leute von damals sind heute immer noch da und sie wollen Rente, damals allerdings nur wenig Kinder, was sich schwer mit einem umlagefinanzierten Rentensystem vertr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wir Jungen Liberalen Berlin machen deshalb Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein Rentensystem, das l\u00e4nger als 4 Jahre h\u00e4lt, was es verspricht: Wir fordern ein Rentensystem mit Zukunft. Ein Rentensystem, das die Lasten f\u00fcr Jung und Alt gerecht verteilt. Wir fordern Reformschritte mit Gesp\u00fcr f\u00fcr soziale Fragen. Ein Rentensystem, das die richtigen Anreize setzt und das denen hilft, die Hilfe brauchen.<\/p>\n<h2><span id=\"Gegenw.C3.A4rtige_Lage_und_Herausforderungen\" class=\"mw-headline\">Gegenw\u00e4rtige Lage und Herausforderungen<\/span><\/h2>\n<p>Zurzeit muss pro Jahr Steuergeld in H\u00f6he von etwa 80 Milliarden Euro eingesetzt werden, damit die gesetzliche Rentenversicherung ihre Aufgaben erf\u00fcllen kann. Dass ihr dies trotz hoher Beitragseinnahmen von 186 Milliarden Euro nicht selbst\u00e4ndig gelingt und sich ihre Gesamteinnahmen zu etwa einem Drittel aus Steuern speisen, zeigt die Reformbed\u00fcrftigkeit des deutschen Rentenversicherungssystems.<\/p>\n<p>Indes besagt der enorm hohe Steuerzuschuss nichts \u00fcber die Renditef\u00e4higkeit der gesetzlichen Rentenversicherung. In einem umlagefinanzierten Rentensystem, das die eingenommenen Beitr\u00e4ge umgehend wieder zur Auszahlung der Renten verwendet, ist die Erwirtschaftung einer irgendwie gearteten Rendite nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Krise des deutschen Alterssicherungssystems ist vielmehr politisch gemacht. Allzu oft diente die Rentenversicherung als Instrument zur Senkung von Arbeitslosigkeit und zur Steigerung von Wahlkampfergebnissen, als sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu beschr\u00e4nken, n\u00e4mlich Erwerbsunf\u00e4higkeit und Alter zu sichern. Schon im Zuge der Rentenreform von 1957 wurde eine Altersrente wegen Arbeitslosigkeit geschaffen, die es \u00e4lteren Arbeitnehmern erm\u00f6glichte, ab dem 60. Lebensjahr abschlagsfrei in Rente zu gehen (<b>Fr\u00fchverrentung<\/b>).<\/p>\n<p>Mit Abk\u00fchlung der konjunkturellen Lage in den 1970er und 1980er Jahren wurde die Altersrente f\u00fcr Arbeitslose massenhaft zur Fr\u00fchverrentung eingesetzt: Die Arbeitnehmer schlossen mit ihren Arbeitgebern zum 59. Lebensjahr Aufhebungsvertr\u00e4ge, bezogen zun\u00e4chst ein Jahr lang Arbeitslosengeld und ab dem 60. Lebensjahr dann eine abschlagsfreie Rente. Da dieses 59er-Modell \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r war, fiel das durchschnittliche Rentenzugangsalter im Jahre 1989 auf 59,4 Jahre ab. In gleicher Weise wurde w\u00e4hrend der Wiedervereinigung mit \u00e4lteren Erwerbslosen verfahren, welche mitunter schon mit 55 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen konnten (<b>Einigungslasten<\/b>).<\/p>\n<p>Eine solche Entwicklung belastet doppelt: Zum einen fehlen Beitragseinnahmen zur Bedienung aktueller Rentenanspr\u00fcche und gleichzeitig steigen die Ausgaben infolge der verfr\u00fchten Rentenzug\u00e4nge, die dann auch l\u00e4nger im Rentenbezug stehen. Hierin ist der Hauptgrund f\u00fcr die heutigen Steuerzusch\u00fcsse zu sehen.<\/p>\n<p>Ebenso wird die gesetzliche Rentenversicherung immer wieder f\u00fcr sozialpolitische Vorhaben instrumentalisiert. Prominentestes Beispiel sind die Kindererziehungszeiten, die M\u00fcttern bzw. V\u00e4tern f\u00fcr die Geburt eines Kindes im Rentenkonto gutgeschrieben werden. Sie entsprechen der 3j\u00e4hrigen Beitragsleistung eines durchschnittlich Verdienenden und generieren gegenw\u00e4rtig einen Rentenanspruch von 82 Euro pro Monat.<\/p>\n<p>Solchen ausgabenwirksamen <b>versicherungsfremden Leistungen<\/b>, es werden \u00fcbrigens auch Ausbildungszeiten rentensteigernd in der Rentenberechnung ber\u00fccksichtigt, stehen keinerlei Einnahmen gegen\u00fcber, sodass daf\u00fcr notwendigerweise der Steuerzahler einspringen muss. F\u00fcr die Kindererziehungszeiten tut er dies mit etwa 11 Milliarden Euro pro Jahr.<\/p>\n<p>Die dargestellten Ma\u00dfnahmen dienen alle dem Ziel, irgendwie gearteten Lebensrisiken bei der sp\u00e4teren Rentenberechnung gerecht zu werden. Aus einer auf der Beitragsleistung des Einzelnen fu\u00dfenden Altersversicherung wird eine das gesamte Leben rentenrechtlich ber\u00fccksichtigende Quasi-Lebensversicherung.<\/p>\n<p>Lange Zeit war dies politisch gewollt und noch die im Jahre 1992 durchgef\u00fchrte Rentenreform ging von der Pr\u00e4misse aus, die gesetzliche Rente sei lebensstandarderhaltend und in diesem Sinne \u201esicher\u201c. Erst mit dem Altersverm\u00f6gensgesetz von 2002 rang man sich angesichts der demographischen Entwicklung zu der Einsicht durch, dass die gesetzliche Rentenversicherung einen solchen Auftrag nicht mehr erf\u00fcllen kann. Vielmehr ist nun die Verhinderung von Altersarmut Kernaufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung.<\/p>\n<p>Die seitdem getroffenen Ma\u00dfnahmen, bspw. die Einf\u00fchrung der Riester-Rente, die Rente mit 67 und die Abschaffung der staatlich gef\u00f6rderten Altersteilzeit sind erste Schritte in die richtige Richtung. Wir Jungen Liberalen fordern aber beherztere und gr\u00f6\u00dfere Schritte. Wir wollen eine Alterssicherung und keine Quasi-Lebensversicherung. Daher ist eine umfassende Aufgabenkritik der gesetzlichen Rentenversicherung zentraler Baustein unserer Rentenreform 2013.<\/p>\n<h2><span id=\"Jungliberale_L.C3.B6sungen\" class=\"mw-headline\">Jungliberale L\u00f6sungen<\/span><\/h2>\n<p>Ein ideales Alterssicherungsmodell basiert f\u00fcr die Jungen Liberalen Berlin auf drei Schichten. Die erste Schicht stellt die staatliche Basisrente dar, welche durch die zweite Schicht der obligatorischen kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge und schlie\u00dflich durch die dritte Schicht der betrieblichen Altersvorsorge erg\u00e4nzt werden. Wir m\u00f6chten, dass der Anteil der gesetzlichen Rentenversicherung am gesamten Altersvorsorgeanteil einer Person perspektivisch auf 50% absinkt. Diese Forderung hat nichts mit \u201eSozialabbau\u201c oder \u201eNeoliberalismus\u201c zu tun, sondern ist angesichts des demographischen Wandels eine realistische Perspektive zur zuk\u00fcnftigen Finanzierung der Altersvorsorge unter dem Aspekt einer gerechten Lastenverteilung zwischen Jung und Alt. Schon die Bismarck\u2019sche Rentenversicherung sollte nur ein Zubrot zu den gesamten Alterseink\u00fcnften sein. Das von Adenauer gegebene Versprechen, die Rente k\u00f6nne k\u00fcnftig nahezu ausschlie\u00dflich staatlich finanziert zu werden, hat sich bereits ab den 1980er Jahren als Irrtum erwiesen. Wir halten es f\u00fcr ehrlicher, dem B\u00fcrger \u00fcber das k\u00fcnftige Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung aufzukl\u00e4ren, als ihn mit dubiosen Versprechungen von privater Altersvorsorge abzuhalten. Nur die Mischung aus staatlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge wird in Zukunft die Generierung einer lebensstandarderhaltenden Rente erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h3><span id=\"Schicht_1:_Gesetzliche_Rentenversicherung\" class=\"mw-headline\">Schicht 1: Gesetzliche Rentenversicherung<\/span><\/h3>\n<p>Indem wir Jungen Liberalen Berlin uns von dem Gedanken l\u00f6sen, die Alterseink\u00fcnfte k\u00f6nnten ausschlie\u00dflich durch die gesetzliche Rentenversicherung generiert werden und der gesetzlichen Rentenversicherung einen lediglich gleichberechtigen und nicht mehr vorherrschenden Platz gegen\u00fcber privaten und betrieblichen Altersvorsorgemodellen einr\u00e4umen, machen wir den Weg frei f\u00fcr eine systemische Reform der gesetzlichen Rentenversicherung. Einnahmen- und Ausgabenstruktur kommen auf den Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<p>Kernaufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung soll die Verhinderung von Altersarmut sein. Nur auf die Verhinderung von Altersarmut soll sich nunmehr der Generationenvertrag beziehen; alles andere ist ein Vertrag zulasten der jungen und k\u00fcnftigen Generationen. Wir halten daf\u00fcr an der Umlagefinanzierung fest, da nicht jeder in der Lage ist, privat vorzusorgen. Die Umlagefinanzierung stellt f\u00fcr uns ein Instrument zur Erhaltung des sozialen Friedens dar. Auf der anderen Seite lehnen wir Jungen Liberalen Berlin eine steuerfinanzierte Grundrente ab, da diese \u00fcberhaupt kein Bewusstsein f\u00fcr Altersvorsorge schafft.<\/p>\n<h4><span id=\"Einnahmen\" class=\"mw-headline\">Einnahmen<\/span><\/h4>\n<h5><span id=\"Erwerbst.C3.A4tigenversicherung\" class=\"mw-headline\">Erwerbst\u00e4tigenversicherung<\/span><\/h5>\n<p>Da die gesetzliche Rentenversicherung nun die Vermeidung von Altersarmut und nicht mehr die Erhaltung des Lebensstandards zum Ziel hat, sind alle berufsspezifischen Versorgungswerke (bspw. \u00c4rzte, Architekten, Rechtsanw\u00e4lte) aufzul\u00f6sen. Die von ihnen erfassten Berufsgruppen haben nun ebenso wie Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Hierbei ist jedoch zu ber\u00fccksichtigen, dass die dort bereits erworbenen Anwartschaften aufgrund des grundgesetzlichen Eigentumsschutzes nicht in die gesetzliche Rentenversicherung \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnen und daher nur in Kombination mit der sp\u00e4teren gesetzlichen Rente zur Auszahlungen kommen k\u00f6nnen. Ebenfalls sind die Beamten und Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Zudem sind entsprechende Vertrauensschutzregelungen hinsichtlich der Einzahlungspflicht f\u00fcr \u00fcber 45j\u00e4hrige zu entwickeln.<\/p>\n<h5><span id=\"Geringf.C3.BCgig_und_niedrig_entlohnte_Besch.C3.A4ftigung\" class=\"mw-headline\">Geringf\u00fcgig und niedrig entlohnte Besch\u00e4ftigung<\/span><\/h5>\n<p>Insbesondere geringf\u00fcgig und niedrig entlohnte Besch\u00e4ftigte sollen von der ersten Schicht unseres Altersvorsorgemodells profitieren. Gleichzeitig ist bei diesen Gruppen der Anreiz hoch, der Sozialversicherungspflicht bspw. durch Schwarzarbeit zu entgehen, da die Wahrscheinlichkeit einer Rente \u00fcber dem Grundsicherungssicherungsniveau von gegenw\u00e4rtig etwa 630 Euro pro Monat nicht sonderlich hoch ist. Hier wollen wir mit einer steuerbezuschussten Grundrente f\u00fcr langj\u00e4hrige Beitragszahler gegensteuern (siehe dazu unten bei 2.1.2.4.: <a title=\"Rentenreform 2013\" href=\"http:\/\/programmatik.julis-berlin.de\/index.php\/Rentenreform_2013#Steuerbezuschusste_Altersrenten\">\u201eSteuerbezuschusste Altersrenten\u201c<\/a>) und f\u00fcr mehr Beitragsaufkommen in den niedrig entlohnten Besch\u00e4ftigungsbereichen sorgen.<\/p>\n<h5><span id=\"Erh.C3.B6hter_Beitragssatz_f.C3.BCr_Kinderlose\" class=\"mw-headline\">Erh\u00f6hter Beitragssatz f\u00fcr Kinderlose<\/span><\/h5>\n<p>Die in Deutschland herrschende Kinderarmut ist der Hauptgrund f\u00fcr die Krise der gesetzlichen Rentenversicherung. Gleichzeitig beg\u00fcnstigt aber die Institution einer staatlichen Rentenversicherung selbst die Entwicklung hin zu wenigen Kindern: Sie erm\u00f6glicht es, sich durch die gesetzliche Rente statt durch seine Kinder im Alter abzusichern und schafft dadurch die Voraussetzung f\u00fcr die in der Menschheitsgeschichte einzigartige Lebensform des Singles. Gerade der kinderlose Single kann durch eine ununterbrochene Erwerbsbiographie im Vergleich zu Personen oder Familien mit Kindern h\u00f6here Rentenanwartschaften ansammeln. W\u00e4hrend des Rentenbezugs l\u00e4sst er sich diese dann von den Kindern der anderen auszahlen, ohne selbst mit eigenen Kinder zur Erhaltung des Systems beigetragen zu haben.<\/p>\n<p>Wir Jungen Liberalen Berlin fordern die eine angemessene Ber\u00fccksichtigung dieser Ungleichgewichte in der Rentenformel. Kinderlose haben daher ab dem 40. Lebensjahr einem um 2 Prozentpunkte h\u00f6heren, Beitragszahler mit einem Kind einen um 1 Prozentpunkt h\u00f6heren Rentenversicherungsbeitrag zu zahlen. Erfasst werden hierbei alle dem Beitragszahler gegen\u00fcber unterhaltsberechtigten adoptierten und leiblichen Kinder. Eine Befreiung von diesem Zusatzbeitrag findet umgehend statt, sobald der Beitragszahler eigene Kinder bekommt oder Kinder gleich welcher Nationalit\u00e4t adoptiert. Eine solche Regelung war \u00fcbrigens auch schon bei der Rentenreform von 1957 angedacht worden, doch Konrad Adenauer wies sie seinem ber\u00fchmten Ausspruch \u201eKinder kriegen die Leute immer\u201c zur\u00fcck.<\/p>\n<h4><span id=\"Ausgaben\" class=\"mw-headline\">Ausgaben<\/span><\/h4>\n<h5><span id=\"Versicherungsfremde_Leistungen\" class=\"mw-headline\">Versicherungsfremde Leistungen<\/span><\/h5>\n<p>Wir Jungen Liberalen fordern mit Ausnahme der Hinterbliebenenversorgung und den Zurechnungszeiten die Abschaffung aller versicherungsfremden Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Wir wollen eine gesetzliche Rentenversicherung, die den Einzelnen vor Armut im Alter sichert und keine Quasi-Lebensversicherung.<\/p>\n<p>Das umfasst neben der Abschaffung der Ber\u00fccksichtigung von Ausbildungszeiten in der Rentenberechnung und der H\u00f6herwertung von bis zum 25. Lebensjahr erbrachten Beitragsleistungen insbesondere die Abschaffung von Kindererziehungs- und Ber\u00fccksichtigungszeiten im Rentenkonto. Auch wir m\u00f6chten die Leistung der Kindererziehung w\u00fcrdigen, machen dies aber unb\u00fcrokratischer und f\u00fcr den Einzelnen einsichtiger: Jede Person, die ein Kind von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr erzogen hat, erh\u00e4lt mit Eintritt in den Vollrentenbezug einen Betrag in H\u00f6he der H\u00e4lfte des Kindergeldes vom Finanzamt.<\/p>\n<p>Die Hinterbliebenenversorgung wird neu geregelt: Eine Unterscheidung von kleiner und gro\u00dfer Witwenrente entf\u00e4llt; die Einkommensanrechnung sowie das Sterbevierteljahr werden abgeschafft. Es wird nun eine auf drei Jahre befristete Witwenrente in H\u00f6he von 33% der bisherigen Rentenanwartschaft des verstorbenen Ehegatten oder Lebenspartners gezahlt.<\/p>\n<p>Die Waisenrenten werden wie bisher in Halb- und Vollwaisenrenten untergliedert und bis zum Erreichen des ersten Berufsabschlusses bzw. des ersten Hochschulabschlusses, maximal aber bis zum 24. Lebensjahr, einkommensunabh\u00e4ngig gew\u00e4hrt. Eine Halbwaisenrente wird in H\u00f6he von 15% der Rentenanwartschaft des verstorbenen Elternteils gezahlt, eine Vollwaisenrente in H\u00f6he von 20% der Gesamtrentenanwartschaft beider verstorbener Elternteile.<\/p>\n<h5><span id=\"Renteneintrittsalter_und_staatliche_Altersteilzeitmodelle\" class=\"mw-headline\">Renteneintrittsalter und staatliche Altersteilzeitmodelle<\/span><\/h5>\n<p>Angesichts der steigenden Lebenserwartung der Bev\u00f6lkerung erachten wir eine grunds\u00e4tzliche Anhebung des Lebensalters f\u00fcr die Inanspruchnahme von Altersrenten f\u00fcr richtig. Im Hinblick auf die unterschiedlichen Erwerbsbiographien ist eine starre Altersgrenze jedoch weder sachgerecht noch spiegelt sich die jeweilige Lebensarbeitsleistung in angemessener Weise wieder. Wer bereits in jungen Jahren k\u00f6rperlich anstrengende T\u00e4tigkeiten ausge\u00fcbt hat, muss fr\u00fcher abschlagsfrei in Renten gehen k\u00f6nnen als jemand, der nach einer langen, \u00fcberwiegend von der Allgemeinheit finanzierten, Studienzeit erst mit Anfang 30 eine berufliche T\u00e4tigkeit beginnt. Daher ist zum derzeitigen Zeitpunkt eine Lebensarbeitszeit von 45 Beitragsjahren als Bemessungsgrundlage f\u00fcr den abschlagfreien Altersrentenbezug anzusetzen. Gleichzeitig lehnen wir jedwede staatlich gef\u00f6rderten Altersteilzeitmodelle ab, da diese in der Vergangenheit immer zu massenhaften Fr\u00fchpensionierungen zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung missbraucht wurden. In diesem Zusammenhang sprechen wir uns ebenfalls gegen verl\u00e4ngerte Arbeitslosengeldgew\u00e4hrung f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitnehmer aus, da dies einem staatlich gef\u00f6rderten Altersteilzeitmodell gleichkommt.<\/p>\n<h5><span id=\"Arbeitsmarktrenten\" class=\"mw-headline\">Arbeitsmarktrenten<\/span><\/h5>\n<p>Wenn Personen w\u00e4hrend ihres Arbeitslebens ihre Erwerbsf\u00e4higkeit teilweise oder g\u00e4nzlich verlieren, dann gew\u00e4hrt die gesetzliche Rentenversicherung Renten wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung. Wir Jungen Liberalen halten das f\u00fcr richtig und m\u00f6chten es beibehalten, sehen aber auch Verbesserungsbedarf. Sofern eine Person teilweise erwerbsmindert ist, also noch \u00fcber einen verbliebenen Teil ihrer Arbeitskraft verf\u00fcgt, gew\u00e4hrt die gesetzliche Rentenversicherung eine Rente wegen teilweise Erwerbsminderung, die den Lebensunterhalt des Berechtigten zur H\u00e4lfte decken soll. Diese Person erh\u00e4lt aber dann eine Rente wegen voller Erwerbsminderung und damit den doppelten Rentenbetrag, wenn ihr kein Arbeitsplatz durch die Arbeitsagentur vermittelt werden kann. Das Arbeitsmarktrisiko wird also auf die gesetzliche Rentenversicherung abgew\u00e4lzt. Das halten wir f\u00fcr falsch und m\u00f6chten deshalb, dass die Arbeitsagentur den zus\u00e4tzlichen Betrag zu tragen hat. Dies f\u00fchrt zu erh\u00f6hten Vermittlungsbem\u00fchungen und zu einer sp\u00fcrbaren Entlastung der gesetzlichen Rentenversicherung.<\/p>\n<h5><span id=\"Steuerbezuschusste_Altersrenten\" class=\"mw-headline\">Steuerbezuschusste Altersrenten<\/span><\/h5>\n<p>Wir m\u00f6chten f\u00fcr geringf\u00fcgig und niedrig entlohnte Besch\u00e4ftigte einen Anreiz schaffen, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen (siehe oben bei 2.1.1.2.: <a title=\"Rentenreform 2013\" href=\"http:\/\/programmatik.julis-berlin.de\/index.php\/Rentenreform_2013#Geringf.C3.BCgig_und_niedrig_entlohnte_Besch.C3.A4ftigung\">\u201eGeringf\u00fcgig und niedrig entlohnte Besch\u00e4ftigung\u201c<\/a>). Wir begr\u00fc\u00dfen daher den Vorschlag Ursula von der Leyens, eine steuerbezuschusste Grundrente f\u00fcr langj\u00e4hrige Beitragszahler einzuf\u00fchren, die nicht \u00fcber das Grundsicherungsniveau von etwa 630 Euro pro Monat gelangen. Wir m\u00f6chten das Modell folgenderma\u00dfen ausgestalten: Jeder Arbeitnehmer, der 35 Beitragsjahre zur\u00fcckgelegt hat, erh\u00e4lt eine Grundrente in H\u00f6he von 800 Euro pro Monat. Die Differenz zwischen angesammelter Rentenanwartschaft und Grundrentenniveau wird durch Steuern beendet. Gleichzeitig lehnen wir eine steuerfinanzierte Grundrente ab, da diese keine Anreize setzt, Schwarzarbeit zu beenden und in geregelte Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse \u00fcberzugehen.<\/p>\n<h5><span id=\"Konsequenzen_f.C3.BCr_die_Einnahmen\" class=\"mw-headline\">Konsequenzen f\u00fcr die Einnahmen<\/span><\/h5>\n<p>In dem wir die Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung strikt auf die Vermeidung von Armut im Alter, bei verminderter Erwerbsf\u00e4higkeit und bei Kondolenzf\u00e4llen konzentrieren, senken wir die Ausgabenposten der Rentenversicherung erheblich und damit auch die hierzu n\u00f6tigen Einnahmen. Das sorgt f\u00fcr den n\u00f6tigen Spielraum zur Senkung der Beitragss\u00e4tze und macht Geld frei f\u00fcr die individuelle Vorsorge.<\/p>\n<h3><span id=\"Schicht_2:_Private_Altersvorsorge\" class=\"mw-headline\">Schicht 2: Private Altersvorsorge<\/span><\/h3>\n<p>Ist es Ziel der gesetzlichen Rentenversicherung, Armut im Versorgungsfall zu vermeiden, so hat die private Altersvorsorge als zweite Schicht unseres Altersvorsorgemodells die Aufgabe, im Alter lebensstandarderhaltend zu wirken. Wir orientieren uns an einem Altersvorsorgeanteil von 30%, sodass zusammen mit der ersten Schicht die Altersvorsorge zu 80% durch diese beiden Schichten abgesichert ist.<\/p>\n<p>Wir Jungen Liberalen Berlin m\u00f6chten die private Altersvorsorge ab einem Jahreseinkommen von 21000 Euro (=1750 Euro pro Monat) verpflichtend ausgestalten. Dies soll zu gro\u00dfe Versorgungsl\u00fccken im Alter vermeiden und die B\u00fcrger zwingen, sich bereits fr\u00fch ernsthaft mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen. Die Pflicht zur Versicherung greift ab einem Lebensalter von 27 Jahren und beschr\u00e4nkt sich lediglich auf die Alterseigenvorsorge, umfasst also nicht die Hinterbliebenenversorgung oder die Absicherung gegen Berufsunf\u00e4higkeit. Dem B\u00fcrger soll es \u00fcberlassen bleiben, welches Modell der Altersvorsorge er w\u00e4hlt, man denke an Immobilienfonds, Aktienpakete oder private Rentenversicherungen. Er kann sich durch Immobilienbau oder \u2013kauf von der Pflicht zur Alterseigenvorsorge befreien, sofern er die Immobilie sp\u00e4ter als Wohnung verwenden will.<\/p>\n<p>Dem Finanzamt obliegt es, die Einhaltung der Pflicht zur privaten Altersvorsorge durch Anforderung entsprechender Nachweise zu \u00fcberpr\u00fcfen. In einem angemessenen, vom Gesetzgeber konkret zu regelnden, Rahmen ist diese private Pflichtvorsorge als Vorsorgeaufwendung vollumf\u00e4nglich von der Bemessungsgrundlage zur Lohn- und Einkommensteuer abzuziehen \u2013 unterliegt jedoch sodann im Auszahlungsfalle der Einkommensbesteuerung.<\/p>\n<p>Das im Jahre 2002 eingef\u00fchrte Modell der staatlich gef\u00f6rderten Riester-Rente sch\u00e4tzen wir Jungen Liberalen Berlin, da es in der Bev\u00f6lkerung die n\u00f6tige Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das Thema der privaten Altersvorsorge geschaffen hat. Gleichzeitig glauben wir aber, dass dauerhaft staatlich subventionierte Altersvorsorgemodelle nicht nur den Wettbewerb verzerren, sondern auch die wirkliche Rendite eines Finanzproduktes verschleiern. Zudem wirkt die j\u00e4hrliche F\u00f6rderung in H\u00f6he von etwa 15 Milliarden Euro faktisch wie ein Steuerzuschuss zur Rente, der schon in der ersten Schicht zu Recht seit Jahren wegen seiner H\u00f6he von 80 Milliarden Euro kritisiert wird. Wir Jungen Liberalen Berlin fordern daher, ab dem Jahre 2013 die F\u00f6rderung von Riester-Neuvertr\u00e4gen einzustellen; den Altvertr\u00e4gen kommt Bestandsschutz zu, sodass sie weiter zu f\u00f6rdern sind.<\/p>\n<h3><span id=\"Schicht_3:_Betriebliche_Altersvorsorge\" class=\"mw-headline\">Schicht 3: Betriebliche Altersvorsorge<\/span><\/h3>\n<p>Die dritte Schicht unseres Altersvorsorgemodells ist die betriebliche Altersvorsorge. Idealerweise soll sie einen Altersvorsorgeanteil von 20% ausmachen und somit die staatliche und private Altersvorsorge komplettieren.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur privaten Altersvorsorge m\u00f6chten wir die betriebliche Altersvorsorge freiwillig ausgestalten. Wir begr\u00fc\u00dfen die Flexibilisierung und St\u00e4rkung der betrieblichen Altersvorsorge durch das Altersverm\u00f6gensgesetz 2002, sehen aber weiteren Handlungsbedarf.<\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar 2002 hat der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf die Durchf\u00fchrung einer betrieblichen Altersversorge in Form der Entgeltumwandlung gegen\u00fcber seinem Arbeitgeber. Der Durchf\u00fchrungsweg f\u00fcr die betriebliche Altersvorsorge ist jedoch einvernehmlich durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu bestimmen und, sofern keine Einigung zustande kommt, ist die Direktversicherung als eine von drei m\u00f6glichen externen Durchf\u00fchrungswegen zu w\u00e4hlen. Wir fordern, dass ausschlie\u00dflich der Arbeitnehmer bestimmen darf, welcher der drei externen Durchf\u00fchrungswege f\u00fcr seine betriebliche Altersvorsorge gew\u00e4hlt wird. Die individuelle Altersvorsorge darf nicht durch die Befindlichkeiten des Arbeitgebers gest\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Des Weiteren sind s\u00e4mtliche Einschr\u00e4nkungen bei der \u00dcbertragung von Versorgungsanwartschaften vom alten auf den neuen Arbeitgeber abzuschaffen. Dem Arbeitnehmer muss es zeitlich unbefristet und nicht nur 1 Jahr m\u00f6glich sein, die \u00dcbertragung seiner Versorgungsanwartschaft vom alten auf den neuen Arbeitgeber zu verlangen. Au\u00dferdem darf es keine Rolle f\u00fcr die \u00dcbertragbarkeit der Versorgungsanwartschaften spielen, wie hoch diese sind. Es m\u00fcssen auch solche Versorgungsanwartschaften auf den neuen Arbeitgeber \u00fcbertragbar sein, die den Betrag der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung von gegenw\u00e4rtig 67.200 Euro \u00fcbersteigen.<\/p>\n<h2><span id=\"Appell\" class=\"mw-headline\">Appell<\/span><\/h2>\n<p>Die Zeit dr\u00e4ngt. Und das schon seit \u00fcber 30 Jahren. Es m\u00fcssen so schnell wie m\u00f6glich entsprechende Schritte angegangen werden. Wir Jungen Liberalen Berlin unterbreiten hiermit gang- und finanzbare Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Rente mit Zukunft. Uns reicht es nicht aus, dass die Bundessozialministerin Ursula von der Leyen einen \u201eRentendialog\u201c mit gesellschaftlichen Gruppen f\u00fchrt. Uns reicht es nicht aus, dass die FDP seit Jahren eine Rentenreform anmahnt, und in der Bundesregierung nicht einmal ein Konzept vorlegt. Wir fordern sie auf, in der verbleibenden Koalitionszeit etwas tun, denn danach wird sie auf Jahre zum Zuschauen verdammt sein &#8211; und die j\u00fcngere Generation weiterhin zum Zahlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKinder kriegen die Leute immer\u201c, kommentierte Konrad Adenauer im Jahre 1957 die Einf\u00fchrung der umlagefinanzierten Rentenversicherung. Weit gefehlt! Und \u00fcberhaupt: \u201eWas interessiert mich mein Geschw\u00e4tz von gestern\u201c? Schon vier Jahre sp\u00e4ter verschwanden die Kinder \u2013 es war 1961 und die Antibabypille kam auf den westdeutschen Markt. 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