{"id":1231,"date":"2011-02-28T15:40:14","date_gmt":"2011-02-28T14:40:14","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin.multisite.julis.de\/?post_type=resolution&amp;p=1231"},"modified":"2011-02-28T15:40:14","modified_gmt":"2011-02-28T14:40:14","slug":"liberale-integrationspolitik-fuer-ein-vielfaeltiges-berlin","status":"publish","type":"resolution","link":"https:\/\/regio.julis.de\/berlin-alt\/beschlusssammlung\/liberale-integrationspolitik-fuer-ein-vielfaeltiges-berlin\/","title":{"rendered":"Liberale Integrationspolitik f\u00fcr ein vielf\u00e4ltiges Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Die Jungen Liberalen Berlin fordern die FDP Berlin auf den Beschluss des Landesausschusses zur Integrationspolitik zu \u00fcberdenken und ihn zu \u00fcberarbeiten. In seiner Gesamtheit lehnen die Jungen Liberalen Berlin diesen Beschluss ab und werden derartige Positionen auch nicht im Wahlkampf um das Abgeordnetenhaus vertreten. Unsere Vorstellungen von Integrationspolitik werden im Folgenden dargestellt und sollten als Orientierung dienen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><span id=\"Einleitung\" class=\"mw-headline\"><u>Einleitung<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Integration l\u00e4sst sich nicht auf ein paar wenige Sofortma\u00dfnahmen reduzieren, sondern muss ganzheitlich aufgegriffen werden. Daf\u00fcr muss man sich \u00fcber die Definition von Integration bewusst sein. Die Jungen Liberalen Berlin sch\u00e4tzen die Diversit\u00e4ten Deutschlands, die unsere Gesellschaft bereichert. Deutschland ist ein Einwanderungsland und Menschen verschiedenster Herkunft, Religion und Kultur bieten ein enormes soziales und wirtschaftliches Potenzial, das unsere Stadt Berlin attraktiv und faszinierend macht. Integration bedeutet das Schaffen einer vielf\u00e4ltigen Gesellschaft, in der sich jeder frei entfalten kann und nach seinen eigenen Vorstellungen leben kann, sofern diese mit unserem Rechtsstaat und dem Grundgesetz vereinbar sind. Integration ist f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben wichtig und notwendig, allerdings wollen wir keine Assimilation, denn diese w\u00fcrde den Menschen ihre Individualit\u00e4t nehmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Jungen Liberalen Berlin ist Integration keine Aufgabe der Politik, sondern vielmehr ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, der aus Eigenverantwortung und R\u00fccksichtnahme angeregt wird. Die Politik hat nur die Aufgabe Rahmenbedingen zu schaffen. Integration betrifft alle gesellschaftlichen Felder. Es reicht nicht, durch ziellose Einzelma\u00dfnahmen Flickenschusterei zu betreiben. Vielmehr bedarf es eines einheitlichen Gesamtkonzepts, welches alle politischen Themenbereiche umfasst. Dazu z\u00e4hlen neben kulturellem Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander und einer Akzeptanz der gegenseitigen gesellschaftlichen Regeln auch eine aktive Integration ins gesellschaftliche, politische Leben und in die Arbeitswelt. Integration gilt dabei nicht nur f\u00fcr Migranten. Viele gesellschaftlichen Schichten und Gruppen m\u00fcssen integriert werden. Dazu z\u00e4hlen auch Integration von Arbeitslosen, Behinderten, Senioren und Demenzkranken, Kindern und Jugendlichen sowie allen Menschen, die Probleme haben, sich im Alltag in der Gesellschaft zurechtzufinden.<\/p>\n<p>Im Zuge der &#8222;Sarrazindebatte&#8220; wurde oftmals die Verantwortung f\u00fcr bestehende Defizite und ihre \u00dcberwindung auf einzelne Komponenten des Integrationsprozesses geschoben. Jeder wollte den Schwarzen Peter lieber bei anderen wissen. Weder die Politik, noch die Religion oder die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit ist alleiniger Schuldner f\u00fcr gescheiterte Integration. Die Jungen Liberalen Berlin wollen eine Gesellschaft, die jede Form von Kultur, Religion und Herkunft toleriert und respektiert, sofern sie unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht im Wege steht. Und wir erkennen an, dass keine Seite das im Alleingang erreichen wird. Die Integration von Menschen unterschiedlicher Kulturen in das gesellschaftliche Leben und die Arbeitswelt erweist sich als oft als schwierig. \u00dcber 1\/3 der Berliner Migranten ist auf Hilfen aus dem sozialen Netz angewiesen und die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Migrationshintergrund ist \u00fcberdurchschnittlich hoch. Wenn Deutschland seinen Lebensstandard, seine wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit und seine sozialen Sicherungssysteme halten will, bedarf es einem schl\u00fcssigen, funktionierenden Integrationskonzept. Integration ist auch ein soziales Ph\u00e4nomen und muss daher entsprechend angegangen werden. Die geltenden Regeln und Gesetze d\u00fcrfen niemandem bei einer eigenverantwortlichen Lebensf\u00fchrung im Wege stehen. Wer f\u00fcr sich und seine Familie arbeiten m\u00f6chte soll dazu auch die M\u00f6glichkeit haben. Vor allem die intransparente und langwierige Anerkennung ausl\u00e4ndischer Berufsqualifikationen und Abschl\u00fcsse steht dem nach wie vor im Wege.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_eine_offene_Gesellschaft\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch eine offene Gesellschaft<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Integration ist in erster Linie eine Bringschuld. Aber sie darf nicht an der Annahmeverweigerung der Gesellschaft scheitern. Das subjektive \u201esich willkommen f\u00fchlen\u201c ist eine Haupts\u00e4ule erfolgreicher Integrationspolitik. Die Vorteile von Migration sind besser nach allen Seiten zu kommunizieren, damit auch der Normalb\u00fcrger sie als Bereicherung und nicht als Bedrohung empfindet. Polemiker und Scharfmacher sind dabei in jeder Hinsicht kontraproduktiv. Ihnen muss sachlich und bedacht begegnet werden. Auf der Demagogenwelle mit populistischen Forderungen bei W\u00e4hlern am konservativen Rand punkten zu wollen, lehnen die Jungen Liberalen ausdr\u00fccklich ab.<\/p>\n<p>Nur eine Gesellschaft, die offen und tolerant ist, die fremden Menschen aufgeschlossen entgegentritt und sie aktiveinbezieht, kann eine Gesellschaft mit gelungener Integration sein. Es ist die origin\u00e4re Aufgabe des Staates, religi\u00f6se und ethnische Minderheiten und Menschen mit Minderheitslebensentw\u00fcrfen zu sch\u00fctzen. Dies gilt unabh\u00e4ngig davon, ob diese durch eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung oder eine Minderheit bedroht werden. Eine bestimmte Staatsangeh\u00f6rigkeit ist keine Voraussetzung f\u00fcr die pers\u00f6nliche Freiheit. Und die Freiheit der Lebens-und Redensart f\u00fcr alle, die in Deutschland leben wollen ist es, was Deutschland von unfreien L\u00e4ndern unterscheidet, aus denen viele zu Recht fl\u00fcchten. Dieser hohe Anspruch an unsere Gesellschaft muss aufrecht erhalten werden, Fremdenhass ist mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu begegnen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob dieser sich von Rechts gegen Ausl\u00e4nder mit anderen als Europ\u00e4ischen Wurzeln richtet. Oder ob er von Links ausgeht um ausl\u00e4ndische Investitionen zu verhindern oder von der Entscheidung in einer bestimmten Gegend Berlins zu leben abschrecken soll.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_Wertevermittlung\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch Wertevermittlung<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Um Integration erfolgreich zu gestalten m\u00fcssen wir gegen\u00fcber Migranten auch Erwartungen aussprechen d\u00fcrfen. Oftmals kollidieren vermeintlich religi\u00f6se und kulturelle Hintergr\u00fcnde mit unseren westlichen Werten. F\u00fcr uns steht die freiheitlich demokratische Grundordnung an erster Stelle und wer jene nicht akzeptiert, kann nicht in die deutsche Gesellschaft integriert werden. Freiheit, Toleranz und Individualit\u00e4t z\u00e4hlen genauso zu westlichen Werten wie die Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit und bilden die Grundlage f\u00fcr ein demokratisches Zusammenleben. Die Gleichstellung von Mann und Frau ist nicht in allen Kulturkreisen gegeben, doch erwarten wir diese in Deutschland.<\/p>\n<p>Als inakzeptabel betrachten wir das Geschlechterverst\u00e4ndnis, in dem die Frau dem Mann untergestellt ist. Unter derartigen Umst\u00e4nden ist auch Integration nicht vollst\u00e4ndig m\u00f6glich. In Deutschland hat jeder Mensch das Recht sich selbstst\u00e4ndig und nach seinen eignen Vorstellungen zu entfalten. Eine Bevormundung einzelner Familienmitglieder wie beispielsweise Frauen und Kinder darf nicht geduldet werden. M\u00e4dchen m\u00fcssen die gleichen Chancen bekommen wie Jungen und beide haben das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Zwangsheiraten sind zu verurteilen und d\u00fcrfen mit keinem kulturellen oder religi\u00f6sen Hintergrund gerechtfertigt werden. Auch das Tragen des Kopftuches muss auf freiwilliger Basis erfolgen. In diesem Zusammenhang lehnen die Jungen Liberalen Berlin die Heranziehung anderer Rechtsordnungen, die fundamental unserem Grundrechteverst\u00e4ndnis widersprechen ab. Die Scharia ist mit unseren freiheitlichen Werten nicht zu vereinbaren.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_ein_republikanisches_Leitbild\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch ein republikanisches Leitbild<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland wurde die Entwicklung eines klaren Leitbilds f\u00fcr die Integration und das Zusammenleben in Deutschland, \u00fcber alle Parteigrenzen hinweg, vergessen. Ein klares und liberales Leitbild kann jedoch Integration in Deutschland f\u00f6rdern und unserer historischen und gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen.<\/p>\n<p>Wir Jungen Liberalen Berlin fordern daher die Einf\u00fchrung des republikanischen Leitbildes auf Grundlage des Grundgesetzes. Gerade das Grundgesetz garantiert allen B\u00fcrgern der Bundesrepublik Deutschland ein weltoffenes und liberales Miteinander. So garantiert Artikel 3 des Grundgesetzes die Gleichheit aller B\u00fcrger ohne Beachtung von Unterschieden und Artikel 4 das Recht eines jeden B\u00fcrgers auf freie Wahl und Aus\u00fcbung der Religion. Ein Leitbild auf Grundlage einer christlich-j\u00fcdischen Tradition unseres Landes allein w\u00fcrde jedoch einer erfolgreichen Integration entgegen wirken, da sie von Vornherein alle Nicht-Christen und -Juden ausschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Das republikanische Leitbild hingegen ist mehr als nur durch Christentum und Judentum gepr\u00e4gt. Es ist auch gepr\u00e4gt durch die Aufkl\u00e4rung und durch die vorchristliche Geschichte Europas. So sind Herrschaftslegitimation, Demokratie und staatsb\u00fcrgerliches Selbstverst\u00e4ndnis durch die Errungenschaften des alten \u00c4gyptens, Griechenlands und der r\u00f6misch-republikanischen Tradition sowie durch die Errungenschaften der Bill of Rights, der Magna Charta, der Declaration of Independence, der Emancipation Proclamation und der \u201eVier Freiheiten\u201c gepr\u00e4gt. Durch die liberale Bewegung des 19. Jahrhunderts entstand zu dem ein B\u00fcrgertum, welches sich frei von Zw\u00e4ngen und Bevormundung entwickelte. Das republikanische Leitbild garantiert somit aus seiner Geschichte und Tradition heraus eine Grundlage f\u00fcr eine erfolgreiche Integration und ein friedliches Zusammenleben. Denn es bevormundet keine Kultur noch Religion und unterscheidet nicht nach Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft oder Alter. Eine erfolgreiche liberale Integrationspolitik kann also nicht ohne ein klares Bekenntnis zum republikanischen Leitbild erfolgen.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_Bildung\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch Bildung<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Bildung ist ein Schl\u00fcssel zu Integration und vor allem in jungen Jahren m\u00fcssen die Weichen zu gelungener Integration gestellt werden. Kinderg\u00e4rten, Kindertagesst\u00e4tten und Schulen haben einen wesentlichen Anteil an Integration und m\u00fcssen sich an jenem Prozess beteiligen. Es ist Aufgabe der Eltern gemeinsam mit diesen Einrichtungen die deutsche Sprache zu f\u00f6rdern, denn eine Sprache ist Mittel zur Verst\u00e4ndigung und lockert die Barrieren zwischen den Menschen. Sprache ist der Schl\u00fcssel zu Kommunikation und verbindet Menschen miteinander. Wer der deutschen Sprache m\u00e4chtig ist, der hat mehr M\u00f6glichkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und findet auch eher einen Ansprechpartner bei m\u00f6glichen Problemen. Bildung f\u00e4ngt daher nicht nur im Vorschulalter an. Gerade in Hinsicht auf die Sprachdefizite vieler \u00e4lterer Migranten muss die Sprachf\u00f6rderung auch auf deren Altersgruppen ausgedehnt werden. Um eine Inanspruchnahme zu kontrollieren, bietet sich eine Kopplung an die Auszahlung von sozialen Hilfen an.<\/p>\n<p>Eine ausschlie\u00dfliche Deutschpflicht beispielsweise auf Schulh\u00f6fen halten wir jedoch f\u00fcr nicht durchsetzbar und lehnen sie folglich ab. Ein Jahr vor der Schule sollen alle Kinder verpflichtet werden an einem Deutschtest teilzunehmen, der feststellen soll wie es um die Deutschkenntnisse steht. Sollten diese nicht ausreichen, sind jene Kinder verpflichtet einen Deutschkurs im Kindergarten zu besuchen, der aus Mitteln des Senats bezahlt wird und von Fachkr\u00e4ften durchgef\u00fchrt wird. Au\u00dferdem sprechen sich die Jungen Liberalen Berlin f\u00fcr ein kostenloses, verpflichtendes letztes Kindergartenjahr f\u00fcr alle Berliner Kinder aus. Die Julis-Berlin sprechen sich in diesem Zusammenhang f\u00fcr das Gutscheinmodell des Betreuungsgeldes aus. Eine Investition in F\u00e4higkeiten ist nachhaltiger und weniger missbrauchsanf\u00e4llig als eine \u201eHerdpr\u00e4mie\u201c. Beim Betreuungsgeld m\u00fcssen regionale Unterschiede ber\u00fccksichtigt werden. In Berlin halten wir ein verpflichtendes Kindergartenjahr f\u00fcr wichtiger als das Betreuungsgeld.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang schlagen die Jungen Liberalen Berlin vor, dass vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund die Betreuung in Kindertagesst\u00e4tten, Kinderg\u00e4rten und Schulen \u00fcbernehmen. Sie verf\u00fcgen, entsprechend geschult, \u00fcber kultur\u00fcbergreifende Kompetenzen und sind in der Lage Sprachbarrieren zu \u00fcberwinden. Die Eltern mit Migrationshintergrund k\u00f6nnen leichter ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zu den Betreuern und Lehrern aufbauen, da diese die Probleme der Kinder besser nachvollziehen k\u00f6nnen. Durch gesteigertes Vertrauen werden Eltern mit Migrations-hintergrundihre Kinder h\u00e4ufiger in entsprechende Betreuungseinrichtungen geben, lernen deutsche und nichtdeutsche Eltern kennen und k\u00f6nnen sich \u00fcber allt\u00e4gliche Probleme und Gegebenheit austauschen.<\/p>\n<p>Aufgabe von Bildungs-und Erziehungseinrichtungen muss es sein, ein gemeinschaftliches Verh\u00e4ltnis zwischen Eltern und Kindern verschiedenster kultureller und religi\u00f6ser Hintergr\u00fcnde aufzubauen und zu f\u00f6rdern. Bildungs-und Erziehungseinrichtungen m\u00fcssen R\u00fccksicht auf den kulturellen und religi\u00f6sen Hintergrund ihrer zu betreuenden Kinder nehmen, allerdings darf keine Bevorzugung gewisser Religionen stattfinden. R\u00fccksichtnahme muss beispielsweise bei Essgewohnheiten genommen werden und Mensen m\u00fcssen sich dementsprechend ausgerichtet werden. Gebetsr\u00e4ume m\u00fcssen nicht genehmigt werden, es ist in den Schulen selbstst\u00e4ndig einen Kompromiss zu finden. Im Zweifel geht jedoch der Raumbedarf f\u00fcr den Unterrichtsgebrauch vor.Die Forderung nacheinem Kopftuchverbot in Schulen lehnen wir rundweg ab. Die freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit wird in jungen Jahren wesentlich durch die Kleidung ausgelebt und gerade das tragen religi\u00f6ser Symbole kann dabei ein bedeutender Teil sein. Allerdings m\u00fcssen alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler am gesamten Lehrangebot wie Schwimm- oder Sexualkundeunterricht teilnehmen. Die Jungen Liberalen Berlin sind der Ansicht, dass Religion Privatsache ist. Die M\u00f6glichkeiten sich mit der Religion der Wahl zu befassen sind gerade in einer multikulturellen Stadt wie Berlin sehr vielf\u00e4ltig. Religionsunterricht in der Schule kann diese Vielfalt unm\u00f6glich widerspiegeln. Die JuLis Berlin bekennen sich zwar nach wie vor zur Schulautonomie, sind jedoch der Ansicht, dass staatlich gef\u00f6rderter Religionsunterricht in Schulen fehl am Platz ist.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_Arbeit\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch Arbeit<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Arbeit ist einer der Hauptfaktoren und Schl\u00fcssel f\u00fcr gelungene Integration. In Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels k\u00f6nnen wir auf Zuwanderer nicht verzichten, denn jene tragen wesentlich zur wirtschaftlichen St\u00e4rkung Deutschlands bei. Zuwanderung auf Kosten der Sozialsysteme k\u00f6nnen wir allerdings nicht dulden. Migration ist nicht verantwortbar, wenn der Einwanderer gar nicht erst eine M\u00f6glichkeit haben wird, in geregelte Arbeit zu kommen.<\/p>\n<p>Dementsprechend m\u00fcssen wir M\u00f6glichkeiten und Rahmenbedingungen schaffen, die m\u00f6glichst vielen die Chance bieten einer Arbeit nachzugehen, die den Lebensunterhalt finanzieren kann. Viele Migranten haben im Ausland studiert oder Ausbildungen gemacht, die in Deutschland allerdings nur sehr schwer anerkannt werden. Wir fordern deswegen eine Vereinfachung der Anrechnung von Studienabschl\u00fcssen und Ausbildungen. Potenzial darf nicht verloren gehen. Sollte eine Berufsqualifikation nicht den hiesigen Anspr\u00fcchen gerecht werden, so m\u00fcssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Fort-und Weiterbildung erm\u00f6glichen und erleichtern. Kulturelle Vielfalt schafft zudem auch Arbeit. Einschr\u00e4nkende Gesetze (z.B. Ladenschlussgesetz) und b\u00fcrokratische H\u00fcrden (Anmeldung von Gewerbe) behindern die optimale Aussch\u00f6pfung von Arbeitskraft. Gerade im Bereich des Gewerbes entwickeln viele Migranten ein H\u00f6chstma\u00df an Engagement und Flei\u00df. Dies muss gew\u00fcrdigt werden. Gleichzeitig spielen Familienbetriebe innerhalb der Migrantengruppen eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens findet in der Bildungspolitik auch endlich die n\u00f6tige Anerkennung. Entsprechende Angebote m\u00fcssen auch Migranten offen stehen und an ihre besonderen Bed\u00fcrfnisse angepasst sein. Den Ansatz vorhandener Integrationskurse begr\u00fc\u00dfen wir und fordern einen weiteren Ausbau auch von kostenlosen Sprachkursen. Aber auch das \u00f6ffentliche Leben muss an diesem Prozess teilhaben, so sollten sich beispielsweise Schulen in der Pflicht f\u00fchlen Deutschkurse f\u00fcr Eltern mit Migrationshintergrund anzubieten. Derartige Projekte gibt es schon und sie sind sehr erfolgreich. Zwar ist die in den Integrationskursen inbegriffene Staatsb\u00fcrgerkunde auch wichtig, doch sollte in erster Linie in die Verbesserung der Sprachf\u00e4higkeit investiert werden.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_Mitbestimmung\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch Mitbestimmung<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Integration wird vor allem durch die gleichberechtigte Teilhabe an der Deutschen Gesellschaft und am Deutschen Staatswesen erreicht. Dies schlie\u00dft insbesondere das passive und aktive Wahlrecht auf allen Ebenen mit ein. Wenn wir die Anerkennung der demokratisch gefundenen Regelungen verlangen, dann m\u00fcssen wir auch die M\u00f6glichkeit der Mitbestimmung dieser im demokratischen Prozess zugestehen. Die Jungen Liberalen Berlin sprechen sich somit f\u00fcr das Ausl\u00e4nderwahlrecht auf allen Ebenen aus. Voraussetzung f\u00fcr das Ausl\u00e4nderwahlrecht ist ein dauerhafter Aufenthalt und Wohnsitz von mindestens 3 Jahren. So bauen wir Vertrauen in die staatlichen Institutionen und unser freiheitlich-demokratisches Staatswesen auf.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_eine_konsequente_Kriminalit.C3.A4tsbek.C3.A4mpfung\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch eine konsequente Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Die Julis-Berlin unterst\u00fctzen das \u201eNeuk\u00f6llner Modell\u201c, das eine bessere Vernetzung von Polizei und Justiz gew\u00e4hrleistet. Somit k\u00f6nnen Prozesse und Strafen zeitn\u00e4her und effizienter ausgesprochen werden. In rechtlich eindeutigen F\u00e4llen muss auch das Mittel der Abschiebung konsequent umgesetzt werden. Menschen mit Migrationshintergrund in Polizei und \u00f6ffentlichen \u00c4mtern haben sich oft als sehr hilfreich erwiesen. Wir begr\u00fc\u00dfen einen noch st\u00e4rkeren Einsatz dieser Bev\u00f6lkerungsgruppen in diesen Berufszweigen.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_gezielte_Projektf.C3.B6rderung\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch gezielte Projektf\u00f6rderung<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Da die Jungen Liberalen Berlin Integration als einen gesamtgesellschaftlichen Prozess sehen, begr\u00fc\u00dfen wir Programme und Projekte, die sich aktiv an jenem Prozess beteiligen. Solche Projekte haben einen tieferen Zugang zu den wirklichen Problemen mit Migranten als es die Politik je haben wird. Projekte und Programme, die Wertevermittlung f\u00f6rdern, die deutsche Sprache lehren und zum interkulturellen Austausch beitragen sind vom Senat zu f\u00f6rdern und b\u00fcrokratisch keine Steine in den Weg zu legen. Dabei muss es sich allerdings nicht zwangsweise um Bildungseinrichtungen oder kulturelle Austauschzentren handeln. Denn jede Art von gesellschaftlichem Engagement kann zu einem Integrationsf\u00f6rdernden Projekt werden, wenn Menschen mit und ohne Migrationshintergrund aufeinander treffen. Hier gilt es besonders die Attraktivit\u00e4t und die Bekanntschaft der Projekte f\u00fcr die unterschiedlichen Altersgruppen zu f\u00f6rdern. Sowohl Jugendclubs als auch Einrichtungen f\u00fcr Erwachsene besitzen noch viel ungenutztes Potenzial, denn erfolgreiche Integration bedeutet auch sinnvolle und interkulturelle Freizeitgestaltung. Nur in konstruktiver Zusammenarbeit mit institutionellen Vertretern verschiedener Migranten-gruppen ist ein Ma\u00df an Integration zu erreichen, mit dem alle Seiten leben k\u00f6nnen. Es ist die Aufgabe des Landes und der Bezirke, auf ihrer jeweiligen Ebene auf die Tr\u00e4ger vorhandener Projekte und Institutionen, etwa Moschee-Vereine, zuzugehen um die Zusammenarbeit anzusto\u00dfen. Instrumente wie die &#8222;Islamkonferenz&#8220; auf Bundesebene und entsprechende &#8222;Runde Tische&#8220; sind wegen der Uneinigkeit der beteiligten Migrantenvertreter hingegen wenig zielf\u00fchrend. Zudem besteht ein Interesse an einer Beteiligung am gesellschaftlichen Leben durch Sportvereine, Jugendarbeit, Ehrenamt, Weiterbildung usw. Wir unterst\u00fctzen soziale und kulturelle Programme wie \u201eSport spricht Deutsch\u201c, die die Organisation von Feriencamps durch den LSB Berlin e.V. umfasst. Die Julis Berlin k\u00f6nne sich vorstellen \u201eStadtteilv\u00e4ter\u201c als Projekt analog zu den \u201eStadtteilm\u00fcttern\u201c einzuf\u00fchren. FSJ und F\u00d6J-Programme oder Mentoringprogramme wie \u201eGro\u00dfer Bruder\u201c sollen finanziell besser ausgestattet werden.<\/p>\n<h2><span id=\"Integration_durch_eine_sinnvolle_Stadtentwicklungspolitik\" class=\"mw-headline\"><u>Integration durch eine sinnvolle Stadtentwicklungspolitik<\/u><\/span><\/h2>\n<p>Integration und Zusammenleben hat immer auch eine r\u00e4umliche Komponente. \u201eGhettoisierung\u201c f\u00f6rdert das Entstehen in sich geschlossener Parallelgesellschaften. Es muss im Interesse der Stadtplaner sein, Durchl\u00e4ssigkeit und Vernetzung auch im Wohnraum zu erreichen. Dazu geh\u00f6rt auch die Gew\u00e4hrleistung der Mobilit\u00e4t mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zu vertretbaren Preisen. Es muss speziell auf Migranten abgestimmte kulturelle Angebote zum Kennenlernen anderer Stadtteile und \u00f6ffentlicher Einrichtungen geben. Dies soll im Zusammenwirken mit Universit\u00e4ten, Museen und kulturellen Vereinen geschehen. Das Quartiersmanagement muss einen Blick f\u00fcr Integrationsprobleme entwickeln. Staatliche und freie Tr\u00e4ger m\u00fcssen besser vernetzt werden. Mittel m\u00fcssen breiter und gleichm\u00e4\u00dfiger verteilt werden. Es darf keine Fokussierung auf Vorzeigeprojekte geschehen. Ebenso muss die Vergabe solcher Mittel evaluiert werden, um Korruption und Missbrauch zu verhindern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Jungen Liberalen Berlin fordern die FDP Berlin auf den Beschluss des Landesausschusses zur Integrationspolitik zu \u00fcberdenken und ihn zu \u00fcberarbeiten. In seiner Gesamtheit lehnen die Jungen Liberalen Berlin diesen Beschluss ab und werden derartige Positionen auch nicht im Wahlkampf um das Abgeordnetenhaus vertreten. 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